Fed, EZB, Eurokrise, Konjunktur, Gasversorgung…

Die Aktienmärkte mussten abermals eine dunkelrote Handelswoche hinnehmen. Vor allem die weiter sehr stark straffend agierenden Notenbanken und die Turbulenzen am Anleihenmarkt sorgen für eine erhöhte Unsicherheit. Plötzlich schwebt wieder die Gefahr einer neuen Schuldenkrise über den Börsianern. Auch die Konjunkturdaten trübten sich weiter ein und die Gasversorgung in Deutschland steht nach den Kürzungen aus Russland unter einem großen Fragezeichen! Diese starken Faktoren führen dazu, dass Konter-Rallys trotz zu negativem Sentiment und einem sehr überverkauften Bereich, sich bisher nicht durchsetzen konnten. Es fehlt der positive Impuls.

Wo kann dieser Bärenmarkt enden?

Eine Frage, die sich viele Anleger in diesen Tagen sehnsüchtig stellen. Im neuen Wochenausblick (Video am Ende des Artikels) wollen wir uns dieser Frage aus Sicht der Fundamentaldaten, der Charttechnik und natürlich mit dem historischen Vergleich nähern. Das Ergebnis könnte für etwas Ernüchterung sorgen…

Die neue Handelswoche.

Die Anhörung von Fed-Chairman Jerome Powell vor dem Senat und dem Repräsentantenhaus dürfte einer der größten Hingucker der kommenden Woche werden. Außerdem werden der neue ifo-Geschäftsklimaindex und die Einkaufsmanagerindizes als konjunkturelle Frühindikatoren gemeldet. Die Wall Street bleibt am Montag geschlossen.

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Wichtige Wochentermine:

  • Montag:
    • 13:30 Uhr EZB-Präsidentin Lagarde hält Eröffnungsrede auf dem geldpolitischen Forum in Sintra
    • 16:00 Uhr USA Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter Mai
    • 16:00 Uhr USA Schwebende Hausverkäufe Mai
  • Dienstag:
    • 08:00 Uhr BRD GfK-Konsumklima Juli
    • 16:00 Uhr USA Verbrauchervertrauen Conference Board Juni
    • 16:00 Uhr USA Richmond Fed Manufacturing Index Juni
  • Mittwoch:
    • 14:30 Uhr BRD Verbraucherpreise Juni (Vorabschätzung)
    • 14:30 Uhr USA BIP Q1 (endgültig)
  • Donnerstag:
    • Quartalsabschluss
    • 08:00 Uhr BRD Einzelhandelsumsatz Mai
    • 14:30 Uhr USA PCE-Kernrate Mai
    • 14:30 Uhr USA Persönliche Einkommen Mai
    • 14:30 Uhr USA Konsumausgaben Mai
  • Freitag:
    • Quartalsauftakt
    • 09:55 Uhr BRD Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Juni (endgültig)
    • 10:00 Uhr Eurozone Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Juni (endgültig)
    • 11:00 Uhr Eurozone Verbraucherpreise Juni (Vorabschätzung)
    • 16:00 Uhr USA ISM-Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Juni

Blicken wir auf einige interessante Chartbilder:

Wir beginnen die Chartreihe mit einem Performancevergleich zwischen Nasdaq100 (blau), S&P500 (gelb), Dow Jones (lila) und DAX seit Jahresbeginn. Vor allem Wachstumstitel Nasdaq100 (-30,97%) sind besonders stark unter Druck geraten. DAX (-17,37%), S&P500 (-22,90%) und Dow Jones (-17,75%) folgen mit etwas Abstand.

Performance seit Jahresbeginn

Im großen Vergleich seit Anfang der 1990-er Jahre ist die Divergenz zwischen Growth & Value weiterhin auf einem Rekordhoch. Das Umschichten seit Jahresauftakt fällt bisher nur minimal ins Gewicht. Nur ein anhaltender radikaler Umschwung der Geldpolitik könnte diese enorme Divergenz wohl wieder deutlich verringern.

Performance seit 1990

Direkt zu Beginn der Blick zur Saisonalität. Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet „Sell in May and go away, but remember to come back in September.„. Der nachfolgende Chart, wo der genannte Zeitraum für die letzten 15 Jahre markiert wurde, stellt dar, dass diese Weisheit durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Sehr häufig gab es zwischen Mai und September den stärksten Rücksetzer des Gesamtjahres; selbst innerhalb der Rekordhausse. Eine große Ausnahme stellte das Pandemiejahr 2020 dar, als der DAX innerhalb der schwachen Saisonalität stark zulegen konnte. Vor dem Hintergrund der starken Straffungspolitik der Notenbanken und dem Stagflationsszenario könnte die Börsenweisheit diesmal verstärkt um Gehör bitten.

Sell in May and go away… – durchaus berechtigt

Ein kurzer Blick in den US-Markt (Komplette Updates für den US-Markt gibt es auf Trading-Portal.NET – Premium) ins übergeordnete Bild. Der S&P500 nun auf Bärenmarktniveau und Test ema200 (Wochenchart) bei 3.640. Oberhalb steht eine Range 3.815/.840. Darüber Aufhellung zur 4k. Bei Bruch wäre der nächstgrößere Support bei 3.500 zu finden. Grafik 2 und 3 zeigen den S&P500 im großen übergeordneten Bild.

S&P500 Tageschart
S&P500 Wochenchart mit Retracements
Große Bild – S&P500 im Monatschart

Der Blick zum Dow Jones, wo der Index als „Outperformer“ das alte Vor-Coronahoch getestet hat. Wichtige Supportzone. Oberhalb können Erholungen zur 30.600 und 31.300 eingeleitet werden. Unterhalb bilden 29.3 & 29k nächste Anlaufzonen. Darunter weiteres Verkaufssignal. In der zweiten Grafik ist das übergeordnete Bild im Dow Jones Quartalschart zu erkennen.

Dow Jones Tageschart
Große Bild – Dow Jones im Quartalschart

Der Nasdaq100 als diesjähriger Underperformer nun mit über 30% Jahresverlust. Wichtige Supportzone an der 10.8 im Blick. Oberhalb bleibt Range zur 11.5 und 11.8 im Fokus. Darüber stärkere Aufhellung. Unterhalb der 10.8 drohen weitere Abgaben zur 10.5 und 10k. Das Stagflations- und geldpolitische Szenario bleibt ein äußerst schwieriges Umfeld für „Growth“.

Nachfolgend auch die übergeordneten Bilder im Monatschart (1 Kerze = 1 Monat) und Jahreschart (1 Kerze = 1 Jahr).

Nasdaq100 Tageschart
Nasdaq100 Wochenchart – jede Kerze eine Woche
Nasdaq100 Monatschart
Nasdaq100 Jahreschart

Der weitere Blick zum DAX Quartalschart (jede Kerze stellt ein Quartal dar) seit 1990. Der starke Kursanstieg während der Corona-Pandemie (Notenbankliquidität) wurde momentan bis zum mittleren Bollinger konsolidiert. Markiert sind auch die beiden großen Bärenmärkte (Dotcom-Bubble, Finanzkrise). Sehr auffällig ist hierbei der Faktor Zeit. Die vorangegangenen Rezessionen beschäftigten den Aktienmarkt viele Jahre, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden konnte.

Im großen Quartalschart bestand seit 4 Quartalen die Seitwärtsrange von 14.8/15k zur 16k. Darunter drohte zügig Abwärtsdruck, welcher mit dem Ukrainekrieg direkt aufgegriffen wurde. Folgende Cluster sind nun im Quartalschart zu nennen:

  • 16k > 15.6 > 15.165 > 15k/14.8 > 14.440 > 14k > 13.3 > 13k > 12.4/12.2 > 11.6 > 11k
DAX Quartalschart

Den gleichen Zeitraum auch nochmal als Tageschart, wo die 22-jährige Keilformation während der Pandemie erst auf der Unterseite und nun auf der Oberseite verletzt wurde. Der Ukrainekrieg sorgte für ein bärisches Fehlausbruchszenario. Unterhalb der 15k/15.1 bleibt die Keilformation somit aktiv. Die Unterkante verläuft momentan bei 10.8.

Der DAX und der 20-jährige Keil – Ausschnitt

Zum Abschluss noch die neuen Pivot-Punkte für die nächste Woche und den Monat Juni.

Die DAX Pivot-Punkte in der Übersicht

Ergänzend auch noch die Pivot-Punkte für das Gesamtjahr 2022.

Der DAX im Jahr 2022 mit den Jahres-Pivot-Punkten

DAX – Übergeordnete Lage:

  • Der DAX hat dynamisch die 10-monatige Seitwärtsrage von 14.8/15.1k – 16k nach unten aufgelöst und direkt weitere Supportzonen verletzt. Folgende Cluster bilden nun relevante Bereiche:
    • 15.600 > 15.165 > 15k > 14.450 > 14k > 13.6 > 13.300 > 13k > 12.650 > 12.440 > 12.270/.185
  • Nachfolgend der DAX vom großen ins kleine Bild analysiert.

Xetra-DAX Monatschart.
Der Blick zum DAX Monatschart, wo sich der DAX nach dem Abverkauf zum Jahresauftakt um Stabilität bemüht. Die 14.030 stellen weiterhin einen umkämpften Bereich. Oberhalb wäre die Spanne zur 14.450 und dem m. Bollinger bei 14.760 zu nennen. Anschließend die Aufhellung zur 15k und 15.165. Unterhalb hingegen die 13.650, gefolgt von der 13.220 und 13.100. Darunter 12.920 und .650. Bei Bruch 12.440, .270, .180.

Xetra-DAX Monatschart

Xetra-DAX Wochenchart.
Der Blick zum Wochenchart, wo der DAX knapp 12% in nur 2 Wochen verloren hat. Das Jahrestief muss zur Stabilisierung und Bodenbildung (Doppelboden) genutzt werden! Die 13.220 stellt einen ersten relevanten Bereich.

Oberhalb können die Bullen einen Cluster über die 13.380 zur .560 anstreben. Darüber .650 und Gap-Close .760. Bei Bruch Türöffner 13.900 zur 14.030, nachfolgend .150.

Unterhalb steht hingegen die Spanne über die 13.120/13k zur 12.920. Darunter droht die Erweiterung zur 12.650. Bei Bruch 13.610 zur .440. Anschließend 12.270/.180.

Xetra-DAX Wochenchart

Xetra-DAX Tageschart:
Der Blick zum kurzfristigen Chartbild, um die untergeordneten Marken besser zu erkennen.

Kurzum für den Tageschart:

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Xetra-DAX Stundenchart

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