Ich muss ehrlich sagen: Als ich anfing zu traden, habe ich über Risikomanagement gelächelt. Ich dachte mir: „Ach komm, wenn der Trade läuft, dann läuft er, und wenn nicht, dann mach ich halt den nächsten.“ Tja, genau diese Einstellung hat mir in meinen ersten Jahren mehrere Konten zerschossen.
Heute weiß ich: Risikomanagement ist das Fundament von allem. Ohne klare Regeln ist jeder Trade nur Glücksspiel – und Trading ist nun mal kein Casino, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.
Was Risikomanagement wirklich bedeutet
Viele denken beim Risikomanagement nur an den Stop-Loss. Klar, der gehört dazu, aber es ist viel mehr:
- Positionsgröße: wie viel Kapital ich pro Trade einsetze
- Risiko pro Trade: meist zwischen 0,5 % und 2 % meines Kontos
- Maximaler Tages- oder Wochenverlust: damit ich nicht in eine Abwärtsspirale komme
- Diversifikation: nicht alles auf einen Markt setzen
Das klingt theoretisch, aber ich zeige dir gleich, wie ich das ganz praktisch rechne.
Meine Grundregel: Maximal 1–2 % Risiko pro Trade
Das bedeutet: Wenn mein Konto z. B. 10.000 € groß ist, riskiere ich pro Trade maximal 100–200 €.
Das ist nicht viel, aber genau das sorgt dafür, dass ich auch nach einer Verlustserie noch handlungsfähig bleibe.
Früher habe ich gerne mal 1.000 oder 2.000 € auf einen einzigen Trade gesetzt – und war dann überrascht, dass drei schlechte Entscheidungen hintereinander mein Konto halbiert haben. 🙈
So berechne ich meine Positionsgröße
Das ist jetzt der wichtigste Teil – und auch einer der größten Aha-Momente für mich gewesen.
Formel:
Positionsgröße = Kontogröße x Risiko% ÷ (Abstand zum Stop-Loss in Punkten x Wert pro Punkt)
Ein Beispiel:
- Kontogröße: 10.000 €
- Risiko: 1 % = 100 €
- Stop-Loss: 50 Punkte entfernt
- Wert pro Punkt: 1 €
→ Positionsgröße = 10.000 x 0,01 ÷ (50 x 1) = 2 Kontrakte
So weiß ich genau, wie viele Lots, CFDs oder Kontrakte ich handeln darf.
Das Schöne: Ich kann jeden Trade so anpassen, dass mein Risiko konstant bleibt.
Risiko auf Tages- und Wochenebene
Noch ein Gamechanger: Ich habe mir feste Limits gesetzt.
- Tageslimit: Maximal 3 % Verlust am Tag. Wenn das erreicht ist → Rechner aus, Feierabend.
- Wochenlimit: Maximal 6 % in einer Woche. Alles darüber heißt Pause und Analyse.
Das klingt hart, aber es schützt mich vor emotionalen Overtrades.
Typische Fehler beim Risikomanagement
Oh ja, davon habe ich selbst genug gemacht:
- Stop-Loss nachziehen, weil man nicht ausgestoppt werden will – endet fast immer schlimmer.
- Zu viele Trades gleichzeitig – Risiko summiert sich, auch wenn es unterschiedliche Märkte sind.
- Risiko hochfahren nach Verlusten – klassisches Revenge-Trading.
- Kein fester Plan – einfach nach Gefühl traden, das funktioniert nie.
Risiko ist wichtiger als der perfekte Einstieg
Heute sage ich jedem Anfänger:
Es ist völlig egal, ob dein Einstieg 10 Punkte zu früh oder zu spät kommt. Wenn dein Risiko passt, überlebst du – und genau darum geht’s im Trading.
Ich habe viele Strategien gesehen, die eigentlich gar nicht so besonders waren, aber durch striktes Risikomanagement konstant profitabel wurden. Und ich habe super Strategien scheitern sehen, nur weil das Risiko zu hoch war.