Abpraller am Jahrestief

Die Aktienmärkte mit einem bullischen Rebound im Wochenverlauf. Eine technische Reaktion war nach dem neuen Jahrestief sehr wahrscheinlich. In der kommenden Handelswoche wird sich nun entscheiden, ob daraus auch eine echte Bärenmarktrally entstehen kann. Andernfalls muss ein Rücksetzer und Bodenbildung am Jahrestief angestrebt werden.

Inflation, Gaskrise und die Berichtssaison

Die neue Woche bringt starke Impulsgeber und Faktoren der Unsicherheit mit sich. Die 10-tägigen Wartungsarbeiten an Nord Stream 1 gehören zu den Unsicherheiten. Wird die Wartung fristgerecht beendet und der Gasfluss anschließend wieder unvermindert aufgenommen? Falls nein, drohen stärkere Verwerfungen am Aktienmarkt.

Außerdem rücken die Inflationsdaten aus den USA und der Beginn der Quartalsberichtssaison in den Blickpunkt der Anleger. Wie stark wirkt sich der Preisdruck bereits auf die Firmenbilanzen aus? Muss der Ausblick angepasst werden?

Den nächsten Wochenausblick gibt es erst nach meiner Sommerpause am 07.08.2022. Bitte beachtet in dieser Zeit auch meine Social Media Kanäle: Twitter, Facebook, Instagram.

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Wichtige Wochentermine:

  • Montag:
    • %
  • Dienstag:
    • 11:00 Uhr BRD ZEW Konjunkturerwartungen Juli
    • 11:00 Uhr Eurozone ZEW Konjunkturerwartungen Juli
  • Mittwoch:
    • 05:00 Uhr China Handelsbilanz Juni
    • 08:00 Uhr BRD Verbraucherpreise Juni (endgültig)
    • 11:00 Uhr Eurozone Industrieproduktion Mai
    • 14:30 Uhr USA Verbraucherpreise Juni
    • 20:00 Uhr USA Beige Book der Fed
  • Donnerstag:
    • Auftakt Quartalsberichtssaison
    • 08:00 Uhr BRD Großhandelspreise Juni
    • 14:30 Uhr USA Erzeugerpreise Juni
  • Freitag:
    • 04:00 Uhr China BIP Q2
    • 14:30 Uhr USA Einzelhandelsumsätze Juni
    • 14:30 Uhr USA Industrieproduktion Juni
    • 16:00 Uhr USA Uni-Michigan Verbrauchervertrauen Juli

Blicken wir auf einige interessante Chartbilder:

Wir beginnen die Chartreihe mit einem Performancevergleich zwischen Nasdaq100 (blau), S&P500 (gelb), Dow Jones (lila) und DAX seit Jahresbeginn. Vor allem Wachstumstitel Nasdaq100 (-25,70%) sind besonders stark unter Druck geraten. DAX (-18,07%), S&P500 (-18,19%) und Dow Jones (-13,76%) folgen mit etwas Abstand.

Performance seit Jahresbeginn

Im großen Vergleich seit Anfang der 1990-er Jahre ist die Divergenz zwischen Growth & Value weiterhin auf einem Rekordhoch. Das Umschichten seit Jahresauftakt fällt bisher nur minimal ins Gewicht. Nur ein anhaltender radikaler Umschwung der Geldpolitik könnte diese enorme Divergenz wohl wieder deutlich verringern.

Performance seit 1990

Direkt zu Beginn der Blick zur Saisonalität. Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet „Sell in May and go away, but remember to come back in September.„. Der nachfolgende Chart, wo der genannte Zeitraum für die letzten 15 Jahre markiert wurde, stellt dar, dass diese Weisheit durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Sehr häufig gab es zwischen Mai und September den stärksten Rücksetzer des Gesamtjahres; selbst innerhalb der Rekordhausse. Eine große Ausnahme stellte das Pandemiejahr 2020 dar, als der DAX innerhalb der schwachen Saisonalität stark zulegen konnte. Vor dem Hintergrund der starken Straffungspolitik der Notenbanken und dem Stagflationsszenario könnte die Börsenweisheit diesmal verstärkt um Gehör bitten.

Sell in May and go away… – durchaus berechtigt

Ein kurzer Blick in den US-Markt (Komplette Updates für den US-Markt gibt es auf Trading-Portal.NET – Premium) ins übergeordnete Bild. Der S&P500 mit einem Stabilisierungsversuch nach dem schwächsten Quartal seit 1963. Analog zur Bärenmarktrally im März könnten wieder große Umkehrformationen angestrebt werden (aber nicht aktiviert). Oberhalb der 3.815 steht eine Range 3.950. Darüber Aufhellung zur 4.050/4.120 (iSKS wird angestrebt). Unterhalb wäre erneut die 3.640 zu nennen. Darunter der Weg zur 3.500. Grafik 2 und 3 zeigen den S&P500 im großen übergeordneten Bild.

S&P500 Tageschart
S&P500 Wochenchart mit Retracements
Große Bild – S&P500 im Monatschart

Der Blick zum Dow Jones, wo der Index als „Outperformer“ das alte Vor-Coronahoch testen und anschließend eine Gegenbewegung einleiten konnte. Wichtige Supportzone. Das Verlaufshoch bei 31.880 muss herausgenommen werden, um auch hier eine iSKS weiter anzustreben und innerhalb einer Bärenmarktrally auszubilden. Unterhalb rückt nach der 30.700 wieder das Jahrestief in den Fokus. In der zweiten Grafik ist das übergeordnete Bild im Dow Jones Quartalschart zu erkennen.

Dow Jones Tageschart
Große Bild – Dow Jones im Quartalschart

Der Nasdaq100 als diesjähriger Underperformer nun mit über 30% Jahresverlust. Wichtige Supportzone (siehe Monatschart) vorerst verteidigt. Oberhalb der 11.4 steht eine Spanne zur 11.7. Darüber 12.160 und die Chance einer Bärenmarktrally. Unterhalb rückt das Jahrestief und die 10.8 in den Fokus. Bei Bruch weitere Abgaben zur 10.5 und 10k. Das Stagflations- und geldpolitische Szenario bleibt ein äußerst schwieriges Umfeld für „Growth“.

Nachfolgend auch die übergeordneten Bilder im Monatschart (1 Kerze = 1 Monat) und Jahreschart (1 Kerze = 1 Jahr).

Nasdaq100 Tageschart
Nasdaq100 Wochenchart – jede Kerze eine Woche
Nasdaq100 Monatschart
Nasdaq100 Jahreschart

Der weitere Blick zum DAX Quartalschart (jede Kerze stellt ein Quartal dar) seit 1990. Der starke Kursanstieg während der Corona-Pandemie (Notenbankliquidität) wurde momentan bis zum mittleren Bollinger konsolidiert. Markiert sind auch die beiden großen Bärenmärkte (Dotcom-Bubble, Finanzkrise). Sehr auffällig ist hierbei der Faktor Zeit. Die vorangegangenen Rezessionen beschäftigten den Aktienmarkt viele Jahre, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden konnte.

Im großen Quartalschart bestand seit 4 Quartalen die Seitwärtsrange von 14.8/15k zur 16k. Darunter drohte zügig Abwärtsdruck, welcher mit dem Ukrainekrieg direkt aufgegriffen wurde. Folgende Cluster sind nun im Quartalschart zu nennen:

  • 16k > 15.6 > 15.165 > 15k/14.8 > 14.4 > 14k > 13.3 > 13k > 12.4/12.2 > 11.5 > 11k
DAX Quartalschart

Den gleichen Zeitraum auch nochmal als Tageschart, wo die 22-jährige Keilformation während der Pandemie erst auf der Unterseite und nun auf der Oberseite verletzt wurde. Der Ukrainekrieg sorgte für ein bärisches Fehlausbruchszenario. Unterhalb der 15.1 bleibt die Keilformation somit aktiv. Die Unterkante verläuft momentan bei 10.8, welche bei Bruch durch die 12.4 in den Fokus rückt.

Der DAX und der 22-jährige Keil – Ausschnitt

Zum Abschluss noch die neuen Pivot-Punkte für die nächste Woche und den Monat Juli.

Die DAX Pivot-Punkte in der Übersicht

Ergänzend auch noch die Pivot-Punkte für das Gesamtjahr 2022.

Der DAX im Jahr 2022 mit den Jahres-Pivot-Punkten

DAX – Übergeordnete Lage:

  • Der DAX hat dynamisch die 10-monatige Seitwärtsrage von 14.8/15.1k – 16k nach unten aufgelöst und direkt weitere Supportzonen verletzt. Folgende Cluster bilden nun relevante Bereiche:
    • 15.600 > 15.165 > 15k > 14.450 > 14k > 13.6 > 13.300 > 13k > 12.600 > 12.440 > 12.270/.185
  • Nachfolgend der DAX vom großen ins kleine Bild analysiert.

Xetra-DAX Monatschart.
Der Blick zum DAX Monatschart, wo der DAX nach dem schwächsten Juni seiner Geschichte ein neues Jahrestief erreicht und vorerst verteidigt hat. Die 13.100/.220 stellen einen umkämpften Bereich. Oberhalb wäre die Spanne zur 13.370 und danach wieder zur 13.8/14.030 zu nennen. Anschließend die Aufhellung zur 14.400 und 14.700. Unterhalb hingegen die 12.610, gefolgt von der 12.400 und 12.270/ 12.180. Darunter 12k und 11.600. Bei Bruch 11.300/11.050.

Xetra-DAX Monatschart

Xetra-DAX Wochenchart.
Der Blick zum Wochenchart, wo sich der DAX per Hammer-Kerze deutlich vom Jahrestief absetzen konnte. Eine gute Vorlage für die Bullen, die im unsicheren Marktumfeld diese Chance für eine Bärenmarktrally aufgreifen müssen. Die 12.810 stellen einen ersten relevanten Bereich.

Oberhalb können die Bullen einen Cluster zur 13.020 und anschließend über die 13.120 zur .220 anstreben. Darüber die 13.440 und der ema200 bei .550. Bei Bruch Türöffner ins Gap 13.650/.760.

Unterhalb steht hingegen die Spanne über die 12.700 zur .600. Darunter droht nach der 12.440 die Erweiterung zur 12.270/.180. Bei Bruch 11.970.

Xetra-DAX Wochenchart

Xetra-DAX Tageschart:
Der Blick zum kurzfristigen Chartbild, um die untergeordneten Marken besser zu erkennen.

Kurzum für den Tageschart:

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Xetra-DAX Stundenchart

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