Im Umfeld der negativen Impulse…

Die Aktienmärkte mussten ein dunkelrotes erstes Halbjahr abschließen. Der S&P500 erlebte das schwächste Quartal seit 1963. Der DAX den schlechtesten Juni seiner Geschichte und notiert nun wieder nah am Jahrestief. Die Konjunkturprognosen deuten scharf Richtung Rezession, die Notenbanken können nicht stützen, sondern sorgen mit ihrer Straffungspolitik für zusätzlichen Druck. Die nun anstehende Quartalsberichtssaison der Unternehmen dürfte so manche Prognose nach unten kassieren.

Belastungsfaktor Juli

Der Juli bringt zu allem Überdruss einen weiteren Belastungs- bzw. Unsicherheitsfaktor. Der Gasfluss über Nord Stream 1 wird am 11. Juli wegen Wartungsarbeiten komplett unterbrochen. Ob anschließend am 21. Juli die Gaslieferung wieder unverändert aufgenommen wird? Ungewiss! Falls nein, droht gar ein Crash!

Die neue Handelswoche.

Die Indizes haben wichtige übergeordnete Chartmarken erreicht. Die Bullen müssen nun zeigen wieviel Kraft sie noch bzw. schon haben. Auch neue Bärenmarktrallys sind von diesem Niveau aus möglich. Die neue Handelswoche beginnt mit einem Börsenfeiertag in den USA. Außerdem stehen die Notenbankprotokolle der Fed und EZB und der US-Arbeitsmarktbericht im Fokus der Börsianer.

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Wichtige Wochentermine:

  • Montag:
    • Wall Street geschlossen
    • 08:00 Uhr BRD Handelsbilanz Mai
    • 11:00 Uhr Eurozone Erzeugerpreise Mai
  • Dienstag:
    • 09:55 Uhr BRD Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Juni (endgültig)
    • 10:00 Uhr Eurozone Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Juni (endgültig)
    • 16:00 Uhr USA Auftragseingang Industrie Mai
  • Mittwoch:
    • 08:00 Uhr BRD Auftragseingang Industrie Mai
    • 10:00 Uhr Eurozone Einzelhandelsumsatz Mai
    • 16:00 Uhr USA ISM-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Juni
    • 16:00 Uhr USA JOLTS-Daten (offene Stellen) Mai
    • 20:00 Uhr USA Protokoll der geldpolitischen Notenbanksitzung
  • Donnerstag:
    • 08:00 Uhr BRD Industrieproduktion Mai
    • 13:30 Uhr Eurozone Protokoll der letzten EZB-Sitzung
    • 14:15 Uhr USA ADP-Beschäftigtenzahl ex Agrar Juni
  • Freitag:
    • 14:30 Uhr USA Neugeschaffene Stellen ex Agrar Juni
    • 14:30 Uhr USA Arbeitslosenquote Juni
    • 14:30 Uhr USA Durchschnittliche Stundenlöhne Juni

Blicken wir auf einige interessante Chartbilder:

Wir beginnen die Chartreihe mit einem Performancevergleich zwischen Nasdaq100 (blau), S&P500 (gelb), Dow Jones (lila) und DAX seit Jahresbeginn. Vor allem Wachstumstitel Nasdaq100 (-29,01%) sind besonders stark unter Druck geraten. DAX (-19,34%), S&P500 (-19,74%) und Dow Jones (-14,42%) folgen mit etwas Abstand.

Performance seit Jahresbeginn

Im großen Vergleich seit Anfang der 1990-er Jahre ist die Divergenz zwischen Growth & Value weiterhin auf einem Rekordhoch. Das Umschichten seit Jahresauftakt fällt bisher nur minimal ins Gewicht. Nur ein anhaltender radikaler Umschwung der Geldpolitik könnte diese enorme Divergenz wohl wieder deutlich verringern.

Performance seit 1990

Direkt zu Beginn der Blick zur Saisonalität. Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet „Sell in May and go away, but remember to come back in September.„. Der nachfolgende Chart, wo der genannte Zeitraum für die letzten 15 Jahre markiert wurde, stellt dar, dass diese Weisheit durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Sehr häufig gab es zwischen Mai und September den stärksten Rücksetzer des Gesamtjahres; selbst innerhalb der Rekordhausse. Eine große Ausnahme stellte das Pandemiejahr 2020 dar, als der DAX innerhalb der schwachen Saisonalität stark zulegen konnte. Vor dem Hintergrund der starken Straffungspolitik der Notenbanken und dem Stagflationsszenario könnte die Börsenweisheit diesmal verstärkt um Gehör bitten.

Sell in May and go away… – durchaus berechtigt

Ein kurzer Blick in den US-Markt (Komplette Updates für den US-Markt gibt es auf Trading-Portal.NET – Premium) ins übergeordnete Bild. Der S&P500 mit dem schwächsten Quartal seit 1963. Untergeordnet Chance auf Doppelboden inmitten einer Keilformation. Allerdings mit stärkeren Widerständen ab der 4k. Oberhalb der 3.815 steht eine Range 3.980. Darüber Aufhellung zur 4.050/4.110. Unterhalb wäre erneut die 3.640 zu nennen. Darunter der Weg zur 3.500. Grafik 2 und 3 zeigen den S&P500 im großen übergeordneten Bild.

S&P500 Tageschart
S&P500 Wochenchart mit Retracements
Große Bild – S&P500 im Monatschart

Der Blick zum Dow Jones, wo der Index als „Outperformer“ das alte Vor-Coronahoch getestet hat. Wichtige Supportzone. Oberhalb der 30.450 kann eine Spanne zur 31.400 aufgebaut werden. Unterhalb bildet das Gap 29.900 die Chance auf einen Doppelboden. In der zweiten Grafik ist das übergeordnete Bild im Dow Jones Quartalschart zu erkennen.

Dow Jones Tageschart
Große Bild – Dow Jones im Quartalschart

Der Nasdaq100 als diesjähriger Underperformer nun mit über 30% Jahresverlust. Wichtige Supportzone vorerst verteidigt. Oberhalb der 11.4 steht eine Spanne zur 11.8, welche darüber eine Bärenmarktrally weit in den 12k-Bereich ermöglicht. Unterhalb rückt die 10.8 in den Fokus. Bei Bruch weitere Abgaben zur 10.5 und 10k. Das Stagflations- und geldpolitische Szenario bleibt ein äußerst schwieriges Umfeld für „Growth“.

Nachfolgend auch die übergeordneten Bilder im Monatschart (1 Kerze = 1 Monat) und Jahreschart (1 Kerze = 1 Jahr).

Nasdaq100 Tageschart
Nasdaq100 Wochenchart – jede Kerze eine Woche
Nasdaq100 Monatschart
Nasdaq100 Jahreschart

Der weitere Blick zum DAX Quartalschart (jede Kerze stellt ein Quartal dar) seit 1990. Der starke Kursanstieg während der Corona-Pandemie (Notenbankliquidität) wurde momentan bis zum mittleren Bollinger konsolidiert. Markiert sind auch die beiden großen Bärenmärkte (Dotcom-Bubble, Finanzkrise). Sehr auffällig ist hierbei der Faktor Zeit. Die vorangegangenen Rezessionen beschäftigten den Aktienmarkt viele Jahre, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden konnte.

Im großen Quartalschart bestand seit 4 Quartalen die Seitwärtsrange von 14.8/15k zur 16k. Darunter drohte zügig Abwärtsdruck, welcher mit dem Ukrainekrieg direkt aufgegriffen wurde. Folgende Cluster sind nun im Quartalschart zu nennen:

  • 16k > 15.6 > 15.165 > 15k/14.8 > 14.4 > 14k > 13.3 > 13k > 12.4/12.2 > 11.5 > 11k
DAX Quartalschart

Den gleichen Zeitraum auch nochmal als Tageschart, wo die 22-jährige Keilformation während der Pandemie erst auf der Unterseite und nun auf der Oberseite verletzt wurde. Der Ukrainekrieg sorgte für ein bärisches Fehlausbruchszenario. Unterhalb der 15.1 bleibt die Keilformation somit aktiv. Die Unterkante verläuft momentan bei 10.8, welche bei Bruch durch die 12.4 in den Fokus rückt.

Der DAX und der 22-jährige Keil – Ausschnitt

Zum Abschluss noch die neuen Pivot-Punkte für die nächste Woche und den Monat Juni.

Die DAX Pivot-Punkte in der Übersicht

Ergänzend auch noch die Pivot-Punkte für das Gesamtjahr 2022.

Der DAX im Jahr 2022 mit den Jahres-Pivot-Punkten

DAX – Übergeordnete Lage:

  • Der DAX hat dynamisch die 10-monatige Seitwärtsrage von 14.8/15.1k – 16k nach unten aufgelöst und direkt weitere Supportzonen verletzt. Folgende Cluster bilden nun relevante Bereiche:
    • 15.600 > 15.165 > 15k > 14.450 > 14k > 13.6 > 13.300 > 13k > 12.600 > 12.440 > 12.270/.185
  • Nachfolgend der DAX vom großen ins kleine Bild analysiert.

Xetra-DAX Monatschart.
Der Blick zum DAX Monatschart, wo der DAX nach dem schwächsten Juni seiner Geschichte wieder vor dem Jahrestief steht. Die 13.100/.220 stellen einen umkämpften Bereich. Oberhalb wäre die Spanne zur 13.370 und danach wieder zur 14.030 zu nennen. Anschließend die Aufhellung zur 14.400 und 14.700. Unterhalb hingegen die 12.610, gefolgt von der 12.270 und 12.180. Darunter 12k und 11.600. Bei Bruch 11.300/11.050.

Xetra-DAX Monatschart

Xetra-DAX Wochenchart.
Der Blick zum Wochenchart, wo sich der DAX wieder vor dem Jahrestief eingefunden hat. Die Bullen brauchen in diesem Bereich eine Stabilisierung, um einen Doppelboden anzustreben. Die 12.950 stellen einen ersten relevanten Bereich.

Oberhalb können die Bullen einen Cluster über die 13.120 zur .220 anstreben. Darüber die 13.370 und der ema200 bei .560. Bei Bruch Türöffner ins Gap 13.650/.760.

Unterhalb steht hingegen die Spanne über die 12.810 zur .690. Darunter droht nach der 12.610 die Erweiterung zur 12.440 (Jahrestief). Bei Bruch 12.270/.180.

Xetra-DAX Wochenchart

Xetra-DAX Tageschart:
Der Blick zum kurzfristigen Chartbild, um die untergeordneten Marken besser zu erkennen.

Kurzum für den Tageschart:

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Xetra-DAX Stundenchart

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