Die Aktienmärkte befanden sich seit Anfang April acht Wochen innerhalb einer starken Abwärtsbewegung (längste Verlustserie seit 1923 für den Dow Jones). Eine heftige Bärenmarktrally im viel zu negativen Umfeld deutete sich bereits vor einer Woche an. Wir hatten diese Chance zum letzten Wochenausblick (Gute Chance für eine Bärenmarktrally?) fundamental und charttechnisch im Detail angekündigt.

Es stellt sich nun die Frage, wie weit diese Rally noch laufen kann. Der Nasdaq konnte immerhin gut 10% zulegen. Oder sehen wir gar eine große bullische Marktumkehr, wo die Jahrestiefs bereits hinter uns liegen? Im neuen Wochenausblick wollen wir uns dieser Frage im Detail annähern.

Die US-Börsen sind am Montag feiertagsbedingt noch geschlossen. Im Wochenverlauf rücken neue Inflationsdaten aus Deutschland und Europa in den Vordergrund. Außerdem wird der US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht.

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Wichtige Wochentermine:

  • Montag:
    • Wall Street geschlossen – ‚Memorial Day‘
    • 14:00 Uhr BRD Verbraucherpreise Mai (Vorabschätzung)
  • Dienstag:
    • Monatsabschluss Mai
    • 03:30 Uhr China Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Mai
    • 03:30 Uhr China Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Mai
    • 10:00 Uhr Eurozone Verbraucherpreise Mai (Vorabschätzung)
    • 15:45 Uhr USA Verbrauchervertrauen Conference Board Mai
  • Mittwoch:
    • Monatsauftakt Juni
    • 08:00 Uhr BRD Einzelhandelsumsätze April
    • 09:55 Uhr BRD Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Mai
    • 10:00 Uhr Eurozone Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Mai
    • 16:00 Uhr USA JOLTS-Daten (offene Stellen) April
    • 16:00 Uhr USA ISM-Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe Mai
    • 20:00 Uhr USA Beige Book der Fed
  • Donnerstag:
    • 11:00 Uhr Eurozone Erzeugerpreise April
    • 14:15 Uhr USA ADP-Beschäftigtenzahl ex Agrar Mai
    • 16:00 Uhr USA Auftragseingang Industrie April
  • Freitag:
    • 08:00 Uhr BRD Handelsbilanz April
    • 09:55 Uhr BRD Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Mai
    • 11:00 Uhr Eurozone Einzelhandelsumsätze April
    • 14:30 Uhr USA Neugeschaffene Stellen ex Agrar Mai
    • 14:30 Uhr USA Durchschnittliche Stundenlöhne Mai
    • 14:30 Uhr USA Arbeitslosenquote Mai
    • 16:00 Uhr USA ISM-Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor Mai

Blicken wir auf einige interessante Chartbilder:

Wir beginnen die Chartreihe mit einem Performancevergleich zwischen Nasdaq100 (blau), S&P500 (gelb), Dow Jones (lila) und DAX seit Jahresbeginn. Vor allem Wachstumstitel Nasdaq100 (-22,30%) sind besonders stark unter Druck geraten. DAX (-8,96%), S&P500 (-12,76%) und Dow Jones (-8,60%) folgen mit etwas Abstand.

Performance seit Jahresbeginn

Im großen Vergleich seit Anfang der 1990-er Jahre ist die Divergenz zwischen Growth & Value weiterhin auf einem Rekordhoch. Das Umschichten seit Jahresauftakt fällt bisher nur minimal ins Gewicht. Nur ein anhaltender radikaler Umschwung der Geldpolitik könnte diese enorme Divergenz wohl wieder deutlich verringern.

Performance seit 1990

Direkt zu Beginn der Blick zur Saisonalität. Eine der bekanntesten Börsenweisheiten lautet „Sell in May and go away, but remember to come back in September.„. Der nachfolgende Chart, wo der genannte Zeitraum für die letzten 15 Jahre markiert wurde, stellt dar, dass diese Weisheit durchaus ihre Daseinsberechtigung hat. Sehr häufig gab es zwischen Mai und September den stärksten Rücksetzer des Gesamtjahres; selbst innerhalb der Rekordhausse. Eine große Ausnahme stellte das Pandemiejahr 2020 dar, als der DAX innerhalb der schwachen Saisonalität stark zulegen konnte. Vor dem Hintergrund der starken Straffungspolitik der Notenbanken und dem Stagflationsszenario könnte die Börsenweisheit diesmal verstärkt um Gehör bitten.

Sell in May and go away… – durchaus berechtigt

Ein kurzer Blick in den US-Markt (Komplette Updates für den US-Markt gibt es auf Trading-Portal.NET – Premium) ins übergeordnete Bild. Der S&P500 konnte zum Ende der Handelswoche eine Bärenmarktrally entfesseln. Oberhalb der 4.2 könnte die Rally am Mehrfach-Widerstand an den gleitenden Durchschnitten, Trendlinie und 50-er Retracement ihr Ziel finden. Unterhalb der 4k fällt die bullische Bewegung hingegen wieder in sich zusammen. Grafik 2 und 3 zeigen den S&P500 im großen übergeordneten Bild.

S&P500 Tageschart
S&P500 Wochenchart mit Retracements
Große Bild – S&P500 im Monatschart

Der Blick zum Dow Jones, wo der Index als Outperformer bereits eine starke Bärenmarktrally entfalten konnte. Oberhalb der 33k bestehen direkte Anstiegschancen in die 33.6/33.8. Unterhalb könnten die offene Gaps 32.6 und 32.1 in den Blickpunkt geraten. In der zweiten Grafik ist das übergeordnete Bild im Dow Jones Quartalschart zu erkennen.

Große Bild – Dow Jones im Quartalschart

Der Nasdaq100 als diesjähriger Underperformer konnte ebenso eine Bärenmarktrally starten und seit den Tiefpunkten bereits 10% zulegen. Oberhalb der 12.4 kann sich die Bärenmarktrally Stück für Stück weiter entfalten. Das Stagflations- und geldpolitische Szenario bleibt jedoch ein äußerst schwieriges Umfeld für „Growth“. Unterhalb stellen 12k und 11.6 nächste wichtige Unterstützungen.

Nachfolgend auch die übergeordneten Bilder im Monatschart (1 Kerze = 1 Monat) und Jahreschart (1 Kerze = 1 Jahr).

Nasdaq100 Tageschart
Nasdaq100 Wochenchart – jede Kerze eine Woche
Nasdaq100 Monatschart
Nasdaq100 Jahreschart

Der weitere Blick zum DAX Quartalschart (jede Kerze stellt ein Quartal dar) seit 1990. Der starke Kursanstieg während der Corona-Pandemie (Notenbankliquidität) wurde momentan bis zum mittleren Bollinger konsolidiert. Markiert sind auch die beiden großen Bärenmärkte (Dotcom-Bubble, Finanzkrise). Sehr auffällig ist hierbei der Faktor Zeit. Die vorangegangenen Rezessionen beschäftigten den Aktienmarkt viele Jahre, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden konnte.

Im großen Quartalschart bestand seit 4 Quartalen die Seitwärtsrange von 14.8/15k zur 16k. Darunter drohte zügig Abwärtsdruck, welcher mit dem Ukrainekrieg direkt aufgegriffen wurde. Folgende Cluster sind nun im Quartalschart zu nennen:

  • 16k > 15.6 > 15.165 > 15k/14.8 > 14.440 > 14.1/14k > 13.6 > 13k > 12.4/12.2 > 11.6 > 11k
DAX Quartalschart

Den gleichen Zeitraum auch nochmal als Tageschart, wo die 22-jährige Keilformation während der Pandemie erst auf der Unterseite und nun auf der Oberseite verletzt wurde. Der Ukrainekrieg sorgte für ein bärisches Fehlausbruchszenario. Unterhalb der 15k/15.1 bleibt die Keilformation somit aktiv. Die Unterkante verläuft momentan bei 10.8.

Der DAX und der 20-jährige Keil – Ausschnitt

Zum Abschluss noch die neuen Pivot-Punkte für die nächste Woche und den Monat Mai.

Die DAX Pivot-Punkte in der Übersicht

Ergänzend auch noch die Pivot-Punkte für das Gesamtjahr 2022.

Der DAX im Jahr 2022 mit den Jahres-Pivot-Punkten

DAX – Übergeordnete Lage:

  • Der DAX hat dynamisch die 10-monatige Seitwärtsrage von 14.8/15.1k – 16k nach unten aufgelöst und direkt weitere Supportzonen verletzt. Folgende Cluster bilden nun relevante Bereiche:
    • 15.600 > 15.165 > 15k > 14.450 > 14k > 13.6 > 13.300 > 13k > 12.740 > 12.440 > 12.270/.185
  • Nachfolgend der DAX vom großen ins kleine Bild analysiert.

Xetra-DAX Monatschart.
Der Blick zum DAX Monatschart, wo sich der DAX nach dem Abverkauf zum Jahresauftakt um Stabilität bemüht. Die 14.030/.100 stellen weiterhin einen umkämpften Bereich. Oberhalb wären die 14.400 und das m. Bollinger bei 14.660 zu nennen. Darüber Aufhellung zur 15k und 15.165. Nachfolgend 15.600 & 16k. Unterhalb die 13.6, welche zum Monatsauftakt direkt getestet werden konnte und gefolgt von der 13.220 und 13.050. Bei Bruch 12.550.

Xetra-DAX Monatschart

Xetra-DAX Wochenchart.
Der Blick zum Wochenchart, wo der DAX mit der Rally den Januar-Abwärtstrend überwinden konnte. Das m. Bollinger um 14.400 stellt einen ersten relevanten Bereich.

Oberhalb können die Bullen einen ersten Cluster über die 14.500 zur 13.610/.660 anstreben. Darüber die Aufhellung zur 14.850. Bei Bruch 15k/15.165.

Unterhalb steht hingegen ein erster Cluster zur 14.265 und .120. Darunter die 14.030 und 13.975. Bei Bruch 13.700.

Xetra-DAX Wochenchart

Xetra-DAX Tageschart:
Der Blick zum kurzfristigen Chartbild, um die untergeordneten Marken besser zu erkennen.

Kurzum für den Tageschart:

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Xetra-DAX Stundenchart

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