Ich gebe es zu: Früher habe ich Dividendenaktien ein bisschen belächelt. Für mich zählte nur Wachstum, Wachstum, Wachstum. „Dividende? Das ist doch was für Rentner“, habe ich mal gesagt – und ja, ich schäme mich heute ein bisschen dafür. Denn inzwischen habe ich gelernt, wie mächtig der Dividenden-Effekt auf lange Sicht ist.
1. Der Perspektivwechsel
Der Auslöser war eigentlich simpel: 2022 und 2023 hatten mir gezeigt, wie brutal es ist, wenn Kursgewinne durch Marktschwankungen einfach verpuffen.
Dividenden dagegen sind wie kleine Bonuszahlungen, die man unabhängig vom kurzfristigen Marktchaos kassiert. Und 2024 habe ich zum ersten Mal gemerkt: Wenn diese Ausschüttungen regelmäßig reinkommen, verändert sich die gesamte Sicht auf das Portfolio.
2. Mein Ziel: Cashflow aus dem Depot
Ich habe mich entschieden, einen festen Teil meines Portfolios – aktuell etwa 40 % – auf Dividendenwerte umzustellen. Das sind Unternehmen, die:
- Eine stabile oder wachsende Dividende seit vielen Jahren zahlen.
- Auch in Krisenzeiten genügend Cashflow haben, um die Ausschüttung fortzusetzen.
- In Branchen aktiv sind, die nicht alle paar Jahre komplett neu erfunden werden müssen.
Dazu gehören bei mir aktuell:
- Johnson & Johnson (Gesundheitssektor)
- Procter & Gamble (Konsumgüter)
- Allianz (Versicherung)
- Münchener Rück (Rückversicherung)
- Shell (Energie)
3. Der Zinseszinseffekt – der echte Booster
Was mich richtig umgehauen hat: Wenn man Dividenden nicht verprasst, sondern automatisch wieder anlegt, passiert Magie.
Beispiel: Eine Aktie mit 4 % Dividendenrendite und durchschnittlich 5 % Kurswachstum pro Jahr – nach 15 Jahren ist das eingesetzte Kapital bei Reinvestition der Dividenden fast verdreifacht. Ohne großes Zocken, ohne ständiges Chartstudium.
4. Psychologischer Vorteil
Ein weiterer Punkt, den viele unterschätzen: Dividenden geben dir das Gefühl, trotz schwankender Kurse zu gewinnen.
Während ein reiner Growth-Investor in einer Seitwärtsphase frustriert ist, bekomme ich trotzdem meine Ausschüttungen. Das macht es viel leichter, ruhig zu bleiben – und nicht aus Panik zu verkaufen.
5. Risiken nicht vergessen
Natürlich gibt es keine 100% sichere Dividende. Unternehmen können ihre Ausschüttung kürzen oder streichen, wenn es wirtschaftlich eng wird. Deswegen schaue ich nicht nur auf die Höhe der Dividende, sondern vor allem auf die Ausschüttungsquote und die Bilanzqualität.
Wenn die Dividendenrendite zu hoch klingt, um wahr zu sein (z. B. >10 %), dann ist oft was faul.
6. Mein kleines Fazit
Dividenden sind für mich inzwischen nicht mehr nur „nice to have“, sondern ein fester Bestandteil meiner Anlagestrategie. Sie bieten Stabilität, planbaren Cashflow und den Zinseszinseffekt, der über Jahre hinweg gigantisch wirken kann.
Und ja – ich freue mich inzwischen fast mehr auf den Dividendenkalender als auf mein Gehalt. Verrückt, oder? 😄