Neue Woche, neuer Monat, neue Rekorde? Eigentlich schon, wenn man so durch die Presse schaut. Die Bären sind anscheinend vollkommen untergetaucht und die ersten Analysten holen die richtig große Ziele heraus. Die 12.000 im DAX zum Jahresende?! Nein niemals, wenn dann im März. Zum Jahresende fällt dann gleich die 18.000 oder gar gleich die 24.000…. Man möchte meinen der DAX verkommt vollkommen zum Basar, aber gerade dann wenn es eigentlich nur noch nach oben gehen kann und es gar keine Zweifler mehr gibt, folgt ein plötzliches Erwachen. Die Börse war noch nie eine Einbahnstraße.

Im März öffnet die EZB nun die Geldschleusen vollkommen. Wird der DAX dies nochmals feiern? Die weitere Geldschwemme wird den Euro-Kurs jedenfalls weiter drücken und spätestens bei neuen Tiefständen wird die FED vor Problemen stehen, weil die eigenen Währung viel zu stark aufwertet. Ich hatte diesen Punkt in der Vergangenheit schon mehrfach erwähnt. Die Notenbanken bauen sich einen eigenen Teufelskreis der gegenseitigen Abwertungen auf und man findet selbst in guten Zeiten nicht mehr in eine normalisierte Geldpolitik zurück. Ich halte ein Aussetzen der US-Zinserhöhung bei weiterem Euroverfall für sehr wahrscheinlich.

Die letzten Nachrichten zu Griechenland waren in meinen Augen durchaus sehr interessant und es wundert mich, dass diese Meldungen von allen Seiten weiterhin komplett ausgeblendet werden. Die kurzfristige Verlängerung des Programms war noch nicht mal durch alle Parlamente, da wurden sämtliche Beschlüsse bereits infrage gestellt. “Schwammige Formulierungen” damit diese nicht eingehalten werden müssen. Notkredite der EZB möchte man plötzlich gar nicht mehr zurückzahlen und ein Schuldenschnitt war anscheinend nur bei der Verhandlung tabu. Das kann nicht gutgehen… Es läuft quasi ein 4 Monate Countdown.

Eine Nachricht vom Wochenende, die auch morgen Einfluss haben wird, ist die Ankündigung der chinesischen Notenbank die Zinsen nochmals zu senken. Dies könnten die Märkte durchaus positiv auffassen (wie so oft), aber es könnten eben auch Bedenken folgen, denn anscheinend ist es in der Tat um die chinesische Wirtschaft nicht sonderlich gut bestellt.

DAX:

Im vergangenen Wochenausblick habe ich einen weiteren Anstieg im DAX erwartet. Spätestens bei 11.400/500 sollte man auf der bullischen Seite dann jedoch äußerst vorsichtig agieren. Da der DAX die ersten beiden Handelstage mehr oder weniger verschlafen hatte, wurden die oberen Kursziele erst zum Freitag tangiert, aber noch nicht voll angelaufen.

Momentan bleibe ich auch bei dem gesetzten Kursziel für eine beginnende Konsolidierung oder gar Korrektur. Der Monatschart lässt jedoch ein paar Fragezeichen zurück und mehrere Szenarien zu.

Es folgt erneut der Chartüberblick von den kleinen Charts zum großen Bild.

Wir beginnen mit einem Blick auf 2-Minuten-Chart für die letzten Wochen. Im Chart ist sehr gut ein steigendes Dreieck zu erkennen und das die obere Begrenzung bei knapp über .450 noch nicht ganz erreicht wurde. Auf kurzfristiger Sicht wäre also bis zum nächsten ernsteren Widerstand noch etwas Luft nach oben.

dax2min-1mon

Es folgt ein Blick auf einen 30-Minuten-Chart der letzten 2 Monate, wo ein Trendkanal zu erkennen ist. Die Oberkante verläuft auch hier knapp unter der .500. Der Bereich zwischen .450 & .500 könnte sich für den DAX also durchaus als Bremsklotz erweisen.

dax30min-2mon

Im Tageschart vom DAX wurde die obere kurzfristige Begrenzung bereits angelaufen. Allerdings war der Schlusskurs nah am Tageshoch, was durchaus für weitere Kursgewinne spricht. Unsicherheiten bereitet die nicht ganz saubere inverse SKS-Formation, welche durch eine unsaubere Schulter und eine Übertreibung in der Spitze geprägt ist. Bei einer sehr bullischen Auslegung könnte man durchaus auch ein Kurs bei 12.000 errechnen. Es bleibt auch noch die Frage, ob die Seitwärtskonsolidierung Ende Januar/ Anfang Februar einen Zwischenschritt darstellt. Dies kann angenommen werden, falls der DAX doch den .500-er Widerstand aus den kleineren Charts überwinden kann. Auch hier wäre dann ein Kursziel von 12.000 möglich. Der MACD hätte mittlerweile im Tageschart auch noch etwas Luft. Sehr auffällig ist ebenso der sehr große Abstand zum GD100 & GD200 (Gleitende Durchschnitt – gelbe Linien), welcher mittlerweile auch historische Ausmaße annimmt. Solche Hochpunkte wurden fast immer ordentlich abverkauft bis der GD200 wieder erreicht wurde. Ein Rücksetzer zur großen Ausbruchzone knapp über 10.000 wäre hier noch voll umzusetzen, aber momentan im Tageschart nicht wirklich wahrscheinlich.

Der Tageschart hinterlässt leider ein zweigeteiltes Bild.

daxtag-sks12

Es folgt der Blick auf die Wochencharts. Die hellen Chartbilder stammen vom Xetra-DAX. Man erkennt die extrem bullische Bewegung der letzten Wochen (noch nie konnte der DAX innerhalb von 2 Monaten so stark zulegen) und das man aktuell in den alten Aufwärtstrend von 2011 wieder hineinläuft. Erobert er diesen damit wirklich wieder zurück? Ein solches Bild erkennt man aber auch oft bei letzten finalen Übertreibungen. Der MACD ist weiterhin auf Rekordhoch im steilen Anstieg. Ein solcher MACD-Verlauf deutet eher eine radikale Wende/ Korrektur an. Der RSI ist mittlerweile auch an den oberen Hochpunkten der letzten 10 Jahre angekommen. Der Abstand zum GD200 ist im Wochenchart gigantisch groß. Er verläuft momentan bei ca. 8.000 Punkten! Im Xetra-Wochenchart erkennt man zudem die Divergenz in der Volumenentwicklung. Sie war trotz des Rekordanstiegs Woche für Woche geringer.

Der Wochenchart schreit förmlich vor Übertreibungen und Divergenzen. Die kleineren Chartbilder deuten zwar auch eine Korrektur an, aber bei ihnen kann man sich eher nur eine kleinere Bewegung in Form einer Konsolidierung in Richtung 11.000/ 10.600 vorstellen. Der Wochenchart hingegen deutet eher auf eine sehr scharfe Korrektur hin. Gerade die Kombi extrem hoher MACD und RSI am Hochpunkt, sowie die Divergenz in der Volumenentwicklung lassen alle Warnleuchten aufblinken. Je größer die Chartbilder sind, desto geduldiger sind diese natürlich auch. Im Wochen- oder gar Monatschart sind Bewegungen auf Tagesebene eher zu vernachlässigen. Sie deuten eine größere mittel- bis langfristige Bewegung an.

daxwoche daxwochexetra

Und zum Monatsende folgt natürlich auch mal der Blick auf den Monatschart. Die letzten beiden Monate hat der DAX sehr bullisch geschlossen und jetzt kommt es. Der Februar wurde auf Monatshoch beendet! Solche Kerzen sind sehr selten Anzeichen einer Umkehr, viel eher deuten sie weitere Kursgewinne im Verlauf des Monats März an. Diese kann es bereits am 1. März geben, oder eben auch am letzten Tag im März. Und hier könnten 2 interessante Szenarien entstehen. Falls der DAX in der neuen Wochen seinen letzten Hochpunkt nun nicht klar überschreiten kann, so wäre es denkbar, dass er nur in eine kurze Konsolidierung abrutscht (11.000/10.600), um dann bis zum Monatsende abzudrehen und einen neuen Rekord aufzustellen. Falls er jedoch bereits in der neuen Woche weitere Hochpunkte setzen kann, so wäre eine Abschlusskerze auf Monatssicht natürlich absolut möglich.

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Das große Ziel im DAX bleibt die 11.450/ .500. Falls dieser Bereich wirklich brechen sollte, wäre das direkte übergeordnete Ziel sogar die 12.000. Zwischenziel knapp über 11.800. Eine solche Bewegung wäre aber mit Sicherheit nicht mehr glimpflich aufzulösen.

US-Markt:

Der US-Markt hat sich ähnlich der Einschätzung aus dem Wochenausblick entwickelt. Das Ende der Fahnenstange sollte erreicht werden, aber kleine Hochpunkte sollten noch möglich sein und viel mehr konnte letztendlich auch nicht umgesetzt werden. Am Freitag wurden sogar schon kleine Verkaufssignale generiert, allerdings ohne große Bewegung, welche aber folgen müssen. Der Gipfel könnte im US-Markt vorerst stehen und falls nicht, wären weitere Hochpunkt nur bedingt möglich, da übergeordnete Widerstände sehr nah sind. Momentan stellt sich eher die Frage: Kleine Konsolidierung, oder doch mehr?  Die 18.000 beim Dow und die 2.080 beim S&P könnten für wichtige Unterstützungen stehen, die bei Bruch eine größere Bewegung andeuten können.

dow dowwoche s&p500

Gold:

Beim Gold kämpfen Bullen und Bären immer noch ihren Kampf. Der Support knapp unter 1.200 konnte bisher mit Mühe gehalten werden. Der MACD kreuzt vorsichtig und der RSI steht an der 50. Es folgt in der neuen Woche wohl die Entscheidungsschlacht und welch ein Wunder passt dies ausgerechnet zu wichtigen Meldungen von FED & EZB…

gold

Euro-Kurs:

Der Euro hat seine technische Erholung abgeschlossen und macht sich nun auf der Short-Seite wieder breit. Für die Bullen bleibt eine diffuse Chance auf einen Doppelboden bei 1.11, aber dies wird Draghi in der neuen Woche schon zu verhindern wissen. Wochen- und Monatschart sprechen auch sehr klar für weitere Kursverluste. 1.08 wäre dann der nächste Halt, wo FED-Chefin Yellen dann wohl auch langsam nervös wird…

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