…adi­os Bullenmarkt?

Ich hatte in den letzten Ausblicken keinen Hehl über meine pessimistische Haltung für das neue Börsenjahr gemacht. So sollte das vergangene 2015 ein Übergangsjahr darstellen. Diese Annahme sollte untermauert werden, wenn wir beim DAX innerhalb des 9-jähriges Dreiecks in das Jahr starten und einen starken Abverkauf in den 4-stelligen Bereich gleich zu Beginn hinlegen. Die ersten 5 Handelstage sind nun Geschichte und werden wohl auch einen Platz in den Geschichtsbüchern finden. Erschreckend punktgenau ist der DAX im langjährigen Dreieck (siehe Monatschart) gestartet, exakt abgeprallt und in einen sehr scharfen Abverkauf in den erwarteten 4-stelligen Bereich abgedriftet. Die Bären haben ihre Steilvorlage erhalten – aber so richtig!

Dieses Bild hatte sich im 4. Quartal schon sehr klar angedeutet, als viele Frühindikatoren auf historisch(!) niedrige Stände gefallen sind, die Berichtssaison nicht mehr mithalten konnte und die geopolitischen Risiken stetig angestiegen sind. Der letzte Impulsgeber waren die Notenbanken, welche nun in den Hintergrund gerückt werden dürften (aber weiterhin stets dazwischenfunken werden) und Mühe haben werden nachhaltige Impulse zu setzen. Der geworfene Boomrang könnte vielmehr ganz schmerzhaft den Rückweg finden. Die FED hatte im Dezember die Zinsen ängstlich angehoben – in meinen Augen zu spät! Der Zenit der wirtschaftlichen Erholung war schon merklich überwunden und so könnte die FED in eine Abschwungsphase hinein eine Zinserhöhungsphase gestartet haben. Die lange Aufschwungsphase und teilweise sogar Boomphase wurde hingegen durch extreme geldpolitische Maßnahmen begleitet. Man könnte meinen, dass die FED den wirtschaftlichen Gegebenheiten stets hinterherläuft, oder diese vielleicht gar nicht erkennt?! Der FED droht ein immenser Vertrauensverlust, wenn sich der Abschwung bewahrheitet! Und die EZB? Sie wird wohl nochmals agieren, aber auch diesmal werden diese Maßnahmen verpuffen und beim realen Ausbruch einer Krise wird die EZB schmerzhaft erinnert werden, dass sie keine Pfeile für den anstehenden Kampf mehr im Köcher hat. Diese hatte man bereits naiv und leichtsinnig in wirtschaftlich guten Zeiten verschossen. Es droht auch hier ein Spiel mit dem Feuer!

Eine Wende an den Märkten hatte sich im vergangenen Jahr nicht nur fundamental, sondern auch charttechnisch klar angedeutet. Die ersten Handelstage 2016 haben dieses Bild nun stark untermauert und deuten mit aller Macht in Richtung Bärenmarkt. Die Bullenfans sollten daher stets auf der Hut sein. Die Rendite dürfte nicht mehr “von alleine”, sondern dann nur noch schwerlich und kurzfristig erreicht werden. Die “Jetzt billig zugreifen” Analystenmeldungen sollten zudem noch viel skeptischer betrachtet werden. Die großen Börsen- und Finanzblätter hatten noch zum Jahreswechsel eine Rekordjagd angekündigt. Auf welcher Grundlage auch immer…

Man täte also gut daran, einfach mal seinen Zeithorizont zu erweitern. Wir haben einen historischen 7-jährigen Bullenmarkt mit extremen Anstiegen erlebt. Man sollte nun nicht so naiv sein und meinen, dass der anstehende Bärenmarkt mit einem Kursrutsch innerhalb eines Monats abgearbeitet ist und dann die Bullenrally fortgesetzt wird. Alleine die Top-Bildung im US-Markt dauert bereits 15 Monate an. Die Auflösung einer solchen Formation dauert zumeist genau den gleichen Zeitraum und selbst dann muss der Boden noch längst nicht erreicht sein! Schaut euch die wirklich großen Chartbilder an! Bei einer sauberen Korrektur der langjährigen Rally werden wir noch öfters die Vorzeichen ändern müssen!

Blicken wir einfach mal auf diese Chartbilder. Wir beginnen wie immer mit dem langjährigen Monatschart beim DAX! Im vorletzten Wochenausblick und letzten Ausblick in 2015 hatte ich geschrieben: “Ein Start unterhalb der 10.500 im neuen Jahr könnte das Fenster zum Bärenmarkt bereits im Januar ganz weit aufschlagen.”. Genau dieses Szenario ist nun eingetreten, obwohl der Schluss 2015 sogar noch relativ hoch war. Es schaut fast so aus, als ob der DAX unbedingt im 9-jährigen Dreieck starten sollte, um das bärische Bild zu bestätigen. Dort stehen wir nun und das Tor zum Bärenmarkt wurde ganz weit geöffnet. Das Chartbild würde sich erstmalig etwas aufhellen, wenn der DAX wieder über die obere Begrenzung hinauslaufen könnte. Im bärischen Idealfall läuft er diese Marke überhaupt nicht mehr an, sondern endet spätestens am ebenso eingezeichneten alten Aufwärtstrend von 2011, welcher knapp oberhalb der 10.300 verläuft. Die Ähnlichkeiten zum Jahr 2008 hatte ich schon vor längerer Zeit eingezeichnet und sie werden von Woche zu Woche realer. 2008 hatten wir in dieser Phase den wirklichen Kursrutsch noch gar nicht begonnen und auch diesmal ist dieses Szenario durchaus realistisch. Langfristig wäre eine saubere Korrektur wohl frühstens bei 7.500 gegeben. Ein Rutsch unter die 7.000 wohl wahrscheinlicher.

Kurzfristig wäre die 9.600, wo der GD38 im Monatschart verläuft, ein erster Support. Darunter das Zwischentief bei 9.300. Da sich ein Bärenmarkt durch fallende Hochpunkte und fallende Tiefpunkte auszeichnet, wäre ein Bruch dieser Marke nach einer wahrscheinlichen Zwischenerholung realistisch. Die Unterseite des langjährigen Dreiecks knapp unterhalb der 9.000 wäre eine erste Zielmarke. Darunter die 8.100.

Die Indikatoren RSI und MACD drehen bärisch ab und haben noch viel Platz nach unten. Ein weiterer Hinweis, dass der langfristige Crash noch gar nicht richtig begonnen hat.

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Blicken wir zum Wochenchart, welcher sich ebenso böse eingetrübt hat! Auch in diesem Chartbild erkennen wir sehr gut den passenden Start innerhalb der langjährigen Dreiecksformation. Der GD100 (dunkelgelb) wurde scharf geschnitten und der Wochenschluss war nah am eigenen Tiefpunkt, welcher weitere Kursverluste in der neuen Woche erwarten lässt. Sehr gut zu erkennen ist auch, dass das Zwischentief bei 9.300 zusätzlich durch ein Retracement gesichert ist. Darunter wartet bei knapp 9.000 der GD200 und darunter die Dreieckunterseite. Bei 9.600 verläuft die Verbindungslinie der letzten beiden Tiefpunkte. Auf der Oberseite bilden Aufwärtstrend von 2011 und GD100 bei knapp oberhalb der 10.300 (ähnlich wie im Monatschart) die wohl maximale Ausdehnung einer technischen Erholung. RSI und MACD sind auch im Wochenchart äußerst bärisch abgedreht und weisen ebenso noch ordentlich Platz nach unten auf.

Am Ende darf natürlich der Blick zum Tageschart nicht fehlen. GD100 und GD200 wurden scharf gekreuzt und fallen. Ein sehr ernstes Signal für einen Bärenmarkt. Die kleine SKS-Formation wurde aktiviert und bietet nun Spielraum bis in den Bereich unter die 9.000. Die 9.600 ist auch im Tageschart ein erster Support. Darunter die 9.300. Auf der Oberseite ist die 10.230/.250 als erster ernster Widerstand zu nennen. Darüber eine Verbindungslinie knapp unterhalb der 10.400 und der GD100 an der 10.400.

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Am Ende noch ein kurzer Blick zum Dow Jones, wo seit 15 Monaten ein Rounding-Top ausgebildet wird, welches zu den größten und nachhaltigsten Umkehrformationen überhaupt zählt. GD100 und GD200 sind auch hier mittlerweile gekreuzt und fallend. Da ein Rounding-Top eher recht “gemütlich” in der Ausbildung ist, muss auch ein weiterer Anlauf an die obere Begrenzung eingeplant werden. Kurzfristig wäre die 16.000 als Anlaufmarke realistisch.

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Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche!

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Letztes Update am: 15. Jan 2016 @ 22:58

  • Dienstag, 12.01.2016 22:00 Uhr
  • Und am Ende steht der DAX wieder an der 10.000. Zaghaft, aber trotzdem ein deutlicher Erholungsversuch, welcher noch ausgeweitet werden kann. Nächstes oberes Ziel wäre die 10.230 und maximal wohl die Zone .360/.400. Der überverkaufte Bereich wäre dann gut abgebaut und die Bären hätten neue Kraft für eine weitere starke Abwärtsbewegung. Morgen besteht somit die erste Chance für das Zwischenhoch.
  • Mittwoch, 13.01.2016 22:00 Uhr
  • Der DAX legte heute eine ordentliche Volatilität an den Tag. Nach einem Angriff auf die 10.200 folgte speziell in den Abendstunden ein heftiger Abverkauf in Richtung Jahrestief von vorgestern. Das Zwischenhoch könnte heute somit ausgebildet sein, aber ganz sicher werden wir erst morgen sein können, denn falls die Bullen das Tief von vorgestern verteidigen können, besteht theoretisch auch die Chance auf einen Doppelboden und eine stärkere Erholung. Der Wille der Bullen ist dafür jedoch aktuell so gut wie gar nicht zu erkennen. Unter dem Zwischentief ruft die 9.300. Darunter der Bruch der 9.000 und eine erste große Zielmarke im Bärenmarkt.

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  • Donnerstag, 20:30 Uhr
  • Erholungsbewegung – kurz oder lang? Der DAX schaffte heute nachdem er das Zwischentief kurz unterschritten hatte (SL-Fishing) eine fulminante Kehrtwende, welche durchaus den Beginn einer starken Gegenbewegung darstellen könnte. Im Xetra-DAX deutet die Hammer-ähnliche Kerze ebenso in Richtung vorläufige Bodenbildung. Doch wie weit kann es noch oben gehen? Können die Bullen bereits wieder hoffen? Fakt ist eben auch, dass morgen ein kleiner Verfall ansteht und die Kurse gerne nochmal etwas “geschoben” werden. Der Blick zum Wochenchart verrät auch, dass die Bullen zwar am Support gut abgeprallt sind, aber der Weg nach oben gar nicht so viel Luft bietet. Im kleineren Chartbild erkennen wir beim DAX, aber eben auch bei den US-Indizes, dass sich umgekehrte waagerechte Dreiecke ausbilden könnten. Diese sind symptomatisch für eine letzte starke bullische Welle, welche sehr gut zum Verfall passen könnte. Beim DAX verläuft die Oberseite aktuell bei knapp 10.200. Bleiben wir in diesem Bereich, droht bereits morgen zur 2. Tageshälfte der Abverkauf rein ins Wochenende! Die Bereiche 10.300/400 werden aktiviert, falls wir nach oben durchbrechen. Die 10.500 wäre dann vielleicht sogar wahrscheinlicher, aber so weit sind wir noch längst nicht!
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  • Freitag, 22:45 Uhr
  • 2.000 Punkte ging es seit Dezember für den DAX runter und der Crash kam nicht von ungefähr. Wie im letzten Jahr bereits erwähnt, zeichnet sich der Bärenmarkt nach fallenden Hochpunkten eben auch durch fallende Tiefpunkte aus. In genau dieser Bewegung befinden wir uns aktuell!
    Oberhalb der 9.300 besteht für den DAX noch die Chance einer Gegenbewegung, vllt sogar bis an die 10.000. Bricht diese Marke, so fallen wir direkt in den Zielbereich (auch der SKS) unterhalb der 9.000. Die Bullen werden in der nächsten Woche wieder auf den Turnaround Tuesday hoffen müssen. Montag dann noch der Test der 9.300?
    Donnerstag ist zudem EZB-Ratssitzung und es war im Vorfeld extrem ruhig um die EZB. Ganz anders als im Dezember, wo zuvor nahezu jedes Mitglied Hoffnungen geschürt hat, die dann vollkommen enttäuscht wurden. Daher könnte diesmal durchaus Potential für eine positive Überraschung entstehen.
    Auch wenn man es momentan kaum vorstellen kann, aber die Bullen werden schon ihren nächsten Angriff vorbereiten, wo sie durchaus nochmal richtig Hörner zeigen werden.
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