Was für ein Markt! Außenstehende, die gerade von einer Woche Urlaub nach Hause kehren, würden wahrscheinlich eine eher langweilige Woche vermuten. Schließt doch der Xetra-DAX nahezu unverändert auf Vorwochenniveau (+0,07%). Doch die Tage dazwischen – vor allem Donnerstag und Freitag – hatten es so richtig in sich.

Es war die Woche der EZB und man hatte nur diesen Termin vor Augen. Vor der EZB-Ratssitzung positionierte sich der DAX überraschend weit unten – wollte man am Ende nicht zu stark über das Ziel hinausschießen (Open Interest?)? Draghi griff jedenfalls nochmal in die Vollen und schießt wirklich alle restlichen Pfeile ab, die der EZB geblieben sind. All-In würde man beim Poker sagen und nur zu gerne nutzt man diesen Weg, um einen Bluff zu spielen. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die EZB in der Presse nahezu komplett zerrissen wurde. Draghis Ausführungen und Ergebnisse waren alle ernüchternd. Abermals mussten die Prognosen kassiert werden und abermals musste er eingestehen, dass das QE bisher vollends verpufft. Warum sollte eine Leitzinssenkung um lächerliche 0,15 Basispunkte, ein erhöhter Strafzins und eine leichte Erhöhung des QE jetzt noch die Wende bringen? Die großen Kanonen sind längst verschossen und ohne Treffer versenkt. Draghi hat die Grenzen der EZB aufgezeigt und hofft nun, dass viel auch viel hilft, ohne die Begleiterscheinungen zu berücksichtigen. Er deutete zudem indirekt an, dass die Märkte nicht mit weiteren Schritten zu rechnen haben. Der DAX reagierte volatil und sprang kurz in Richtung 10.000, um dann – genau wie im Dezember – 600 Punkte nach unten zu rauschen. Die entstandene gigantische Umkehrkerze wurde mit dem höchsten Tagesvolumen des Jahres begleitet. Eine deutliches Zeichen sollte man meinen, aber dann gab es noch den Freitag, wo der DAX den Rückwärtsgang einlegte und in der Spitze 450 Punkte nach oben wanderte. Das Volumen war nur halb so groß wie am Vortag. Am Ende bleiben die Fragezeichen, wie diese 2 Tage wohl einzuschätzen sind. Es könnte neben der EZB bereits der Große Verfallstag bei dieser Bewegung – speziell Freitag – eine entscheidende Rolle gespielt haben. Auf Wochensicht schloss man wie erwähnt nahezu unverändert. Vielleicht etwas wenig, wenn man bedenkt, dass die EZB in dieser Woche alles abgeschossen hat, was möglich erscheint.

Da waren doch die Hexen am Werk…

Die neue Woche wird die vergangene Handelswoche wohl nicht mehr mit stärkerer Volatilität toppen, aber es wird vermutlich erneut einige Überraschungen geben, wo die Nachhaltigkeit noch in Frage gestellt werden darf. Es stehen die Notenbanksitzungen der FED und BoJ an, wo jedoch keine neuen Maßnahmen zu erwarten sind. Alles andere wären sehr starke Überraschungen (z.B. Zinsschritt der FED). Mein persönliches Hauptaugenmerk ist jedoch auf Freitag gerichtet, wo abermals die Hexen zum Großen Verfall tanzen werden. Speziell die Bewegung am vergangenen Freitag würde ich schon dem Gr. Verfall zuschreiben, denn schauen wir mal auf das sehr interessante Open Interest (hier und hier). Wir sehen große CALL-Positionen bei 9.800, 10.000 und auch 10.300. Eine sehr große liegt bei 10.200. Die nächsten größeren PUT-Positionen liegen bei 9.400, 9.200 und 9.000. Daraus lässt sich schließen, dass bis Freitag niemand Interesse hat die Kurse unter 9.400 zu drücken! Bei der Tageskerze vom Donnerstag, die mit dem höchsten Tagesvolumen des Jahres ausgeprägt wurde, kann man durchaus eine “Wahrhaftigkeit” hineininterpretieren, aber durch den Verfall galt es einen weiteren Rutsch dringend zu verhindern. Die Stillhalter (“Institutionelle”) wollen natürlich auch nicht, dass die PUTs ab 9.400 ins Geld laufen, aber vor allem die Halter der CALLs um die 10.000 mussten dringend Eindeckungskäufe anvisieren, welche an der 10.000-er Marke jedoch sehr schnell wieder abebben könnten; auch vor dem Hintergrund, dass die Stillhalter mit Sicherheit nicht die 10.200, möglichst aber auch die 10.000/9.800, ins Geld laufen lassen wollen.

Der Donnerstag und der Freitag zeigen mit diesem Wissen noch einen interessanten Aspekt. Der Donnerstag bildete eine sehr bärische Kerze aus, aber durch die extremen Maßnahmen der Notenbank hätte diese durchaus auch sehr bullisch ausfallen können und dann hätte der Große Verfall ebenso schon mitwirken können. Beim Sprung zur 10.000 hätten die Stillhalter durchaus auch die Notwendigkeit sehen können, die Positionen 9.800 – 10.200 abzusichern und damit einen Squeeze nach oben auszulösen bzw. zu verstärken, aber wir sahen das krasse Gegenteil! Letztendlich wurde man dann genötigt auf der Unterseite einen Rutsch unter die 9.400 zu verhindern. Dies galt und gilt für die Stillhalter und die Positionshalter, die durch Eindeckungskäufe agierten, gemeinsam. Sie hatten ein gemeinsames Interesse einen Rutsch auf der Unterseite zu verhindern, welches auf dem Weg zur 10.000 aber schnell wieder deutlich auseinanderdriftet. Daher war der Freitag in meinen Augen bereits klar vom Großen Verfall eine Woche später geprägt. Im Idealfall möchte man sicher unterhalb der 10.000 abrechnen. Die sicherste Zone wäre wohl zwischen 9.500 und 9.800 zu finden, um im Anschluss dann den übergeordneten Trend wieder aufzunehmen. Große Marktereignisse könnten hier natürlich zu Absicherungen und einem Squeeze führen, wobei der größte Termin – die EZB mit ihrer Bazooka – es nicht geschafft hat, die Stillhalter in eine Absicherung und damit Squeeze zu schicken. Viel mehr musste man auf der Unterseite plötzlich sehr schnell handeln. Daher steht zur neuen Woche die Frage im Raum, ob wir am Donnerstag vielleicht die wahrhaftige Marktreaktion gesehen haben und am Freitag “nur” die Rettungsaktion für den Großen Verfall? Das sind immer besondere Tage und da geht es nicht um begründete Bewegungen im Markt. Es geht nur darum, dass die großen Institutionellen Geld verdienen bzw kein Geld verlieren. Und da wird manipuliert was das Zeug hält.

Doch wagen wir trotzdem den Blick zu den Charts.

Im DAX Monatschart gab es aufgrund des nahezu unveränderten Wochenschluss kaum eine Veränderung. Die Fertigstellung der Monatskerze steht ebenso noch nicht zur Debatte. Der Vormonat bildete einen Hammer am Support aus und es wäre nun die Aufgabe im März eine Fortsetzungskerze auszubilden. Im besten Fall wären dann Ziele bis 10.400/600 für den Folgemonat denkbar, aber die aktuelle Monatskerze ist eben nur eine Momentaufnahme, ähnlich wie 2008 könnte der Hammer durch eine schwache Kerze noch negiert werden. Abwarten…

monat

Im DAX Wochenchart ist die höhere Volatilität zu erkennen, aber der Wochenschluss – speziell im Xetra – ist nahezu auf Vorwochenniveau und lässt damit alle Türen offen. Die bullische Kerze der Vorwoche wurde trotz EZB-Bazooka nicht durch eine Fortsetzungskerze bestätigt. Der kleine Kerzenkörper könnte ebenso gut auch einen Deckel andeuten. Der RSI konnte somit die 50 nicht schneiden und mit Kaufsignal die Woche beenden. Auch der MACD verhält sich sehr flach. Durch die positive Vorwoche hatte der DAX die Chance in dieser Woche ein Kaufsignal zu generieren. Diese Chance wurde (bisher) nicht ergriffen.

Auf der Oberseite bildet das 50-er Retracement bei knapp 10.050 einen Widerstand, gefolgt vom m. Bollingerband um 10.190 (Open Interest “Gefahrenzone”), dem GD100 bei 10.300 und Retracement/ Abwärtstrend ab 10.400. Die Stillhalter haben kein Interesse diese Ziele anzulaufen und würden den Großen Verfall mit Verlust beenden. Auf der Unterseite bilden 9.400/ 9.350/ 9.250 Unterstützungen, welche zum Verfall auch nicht unterschritten werden sollten – zumindest bis Freitag 13 Uhr! Der GD200 verläuft bei 9.170. Darunter droht das Jahrestief und die Kanalunterseite, welche sich bereits der 8.500 annähert.

woche

Der DAX Tageschart zeigt die verrückte Bewegung vom Donnerstag und Freitag besonders gut auf. Am auffälligsten ist die 600-Punktekerze von Donnerstag, welche mit dem höchsten Volumen im Jahr ausgeprägt wurde. Zuletzt gab es diesen Volumenanstieg im Dezember zur EZB und zum Verfall – genau wie dieses Mal. Die Kerzen bildeten damals einen Gipfel, welcher jedoch nicht sofort aufgegriffen wurde. Es wird sehr interessant zu sehen sein, wie und ob die Bullen diese gigantische Kerze irgendwie umkehren können. Zwischen etwas verschobener iSKS und SKS ab Februar bleiben alle Varianten auf dem Tisch. Die Volumenentwicklung deutet aktuell eher auf die bärische Variante.

Die Widerstände und Unterstützungen sind analog zum Wochenchart. Horizontal sind die 9.925 und die 10k noch zu nennen. Wichtig wäre noch der Bereich 10.050/80, wo die Bären attackieren sollten, um den Verfall zu retten. Der GD100 verläuft bei 10.190, das m. Bollinger bei ca. 9.540. Interessant sind die Gaps um 9.000, aber auch ab 10.500 (Ausbruchlücke in den Bärenmarkt). Das Gap vom 13.01. konnten wir am Donnerstag schließen.

xetra

Werfen wir nun noch einen Blick zum US-Markt, welcher sich bis in die harte Widerstandszone vorgeschoben hat. Hier dürfte es in der Tat nun sehr spannend werden.

Ich habe euch 3 Charts vom breiten S&P500 zusammengestellt (Tages-, Wochen- & Monatschart) und vom Dow Jones (Tages- und Wochenchart). Wir sehen, dass der GD100 und GD200 langsam durch kleine Kerzen geschnitten wird, aber wir erkennen auch, dass diese Verletzungen beim letzten Gipfel auch hingenommen wurden und nur das Rounding Top als Ziel anvisiert wurde. Ich hatte vor Wochen geschrieben, dass es eigentlich recht ungewöhnlich wäre, wenn das Rounding-Top bereits nach unten aufgelöst wird, ohne es nochmals zu durchlaufen. Aufgrund der fundamental schwachen Ausgangslage wollte ich meinen eigenen Worten jedoch selber keinen so rechten Glauben schenken. Fundamentalanalyse vs. Chartanalyse – anscheinend schaut man bei den ganz großen Bildern gerne mit Scheuklappen nur auf die Kurven. Durchaus eine interessante Erkenntnis.

In den übergeordneten Bildern sehen wir auch, dass die starke Hausse bisher kaum eine Korrektur erfahren hat, sondern man sich weiterhin auf sehr hohem Niveau bewegt. Ebenso zu erkennen eine W-Formation, die bullisch voll ausgespielt das Rounding-Top nachhaltig sprengen würde und die starke Hausse nochmals extrem beschleunigen dürfte. Es wäre dann ohne Übertreibung eine Jahrhundert-Hausse. Doch warum sollte man sie jetzt auflösen? Warum nicht schon vor einem oder 2 Jahren, als die Ausgangslange deutlich günstiger war? Die Gründe für den Abverkauf zum Jahresbeginn sind nicht verschwunden – im Gegenteil, sie verstärken sich sogar! Eine ähnliche Diskussion für eine große W-Umkehr hatten wir im übrigen auch im vergangenen Jahr bereits, als der US-Markt mit dem Tief aus 2014 und 2015 einen großen Doppelboden hätte ausbilden können. Die Ausgangslage war damals besser, aber diese Umkehr wurde nicht ergriffen – vielmehr wollte der Markt erneut den Weg des größten Schmerzes gehen und das Rounding-Top mit aller Macht und letzter Kraft (dünnes Volumen) antesten. Es ist daher durchaus anzunehmen, dass dieser Weg auch diesmal gegangen werden soll. Ein bullischer Ausbruch aus dem Rounding-Tops ist bei diesem Test des fast 1,5 jähriges Rounding-Tops fundamental am wenigsten berechtigt. Durch einen erneuten Test und Abprall wäre das Rounding-Top sogar als noch sauberer und gestärkter anzusehen.

Beim S&P500 verlaufen um 2.035 die meisten Widerstände (alte Trendlinie, Rounding-Top, m. Bollinger Monatschart und auch der GD100 im Wochenchart in Schlagweite). Dieser Bereich dürfte einen Schlüsselbereich bilden. Beim Dow wird es in der Zone 17.250/.300 schon sehr spannend, wo u.a. auch ein großes Gap wartet, welches zumindest teilweise angelaufen werden könnte. In den letzten 2 Jahren war der US-Markt dank der Formation oft ein Markt, welcher die Trader nur zu gerne in den Weg der größten Schmerzen drängen wollte. Es ist auch diesmal so, aber vielleicht ein letztes Mal. Die Auflösung der Formation ist nah.

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Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Handelswoche.

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