Die Börse wird wohl auch weiterhin keine ruhige und besinnliche Weihnachtszeit genießen können. Mittlerweile vergeht keine Woche, wo nicht irgendwelche Mehrjahresrekorde geknackt werden. Zuletzt waren es vorwiegend die Rohstoffe und Frühindikatoren, aber am vergangenen Donnerstag auch mal der Euro, der ganz und gar nicht nach Draghis Wunsch reagierte, sondern einen Steilflug nach oben hingelegt hat. Im gleichen Atemzug verlor der DAX von seinem Tageshoch fast 700 Punkte – innerhalb weniger Stunden! Dabei war gar nichts weltbewegendes passiert, sondern es wurden nur die extremen Erwartungen des Marktes verfehlt. Draghi war letztendlich nicht gewillt – bzw. fehlt immer mehr der Rückhalt & auch die Möglichkeiten – noch extremer Geldgeschenke zu verteilen. Die krasse Reaktion der Märkte zeigt daher nur zu deutlich, wie extrem abhängig der Markt von den Notenbanken geworden ist. In den letzten Wochen wurden negative Impulse stets ausgeblendet und man klammerte sich nur noch an diffuse Hoffnungen der Notenbanken nach mehr Geld. Die reichliche Liquidität entwickelt sich immer mehr zur Droge für die Märkte, welche nach immer mehr lechzen. Die Reaktionen und der Rückfall zur Realität dürften für unseren Suchtpatienten DAX noch für so manchen Schrecken sorgen.

Am Ende standen vielen Marktteilnehmern zum Wochenschluss wohl die Fragezeichen ins Gesicht geschrieben. Die Jahresendrally und der Sprung an die 12.000 – ja, wenn nicht sogar gleich ein neues AZH (Allzeithoch) – waren für viele nur noch reine Formsache; trotz der sehr vielen ernsten Divergenzen. Die Notenbanken machten es möglich, aber sie können anscheinend nicht mehr die Marktbedürfnisse sättigen. Die Jahresendrally dürfte nach dem Donnertag-Crash wohl einen ganz heftigen Dämpfer erlebt haben und das AZH vorerst abgehakt sein. In der aktuellen Situation stehen Bullen und Bären letztendlich wieder in einer Pattsituation. Die Bären haben den Ausbruch über den Abwärtstrend und dem GD200 bei knapp 11.100 als heftigen Fehlausbruch – mittlerweile auch schon Standard im nervösen Markt – runtergeprügelt. Diese heftigen Tagesverluste stellen zumeist auch nicht den Tiefpunkt dar, sondern es ist in der Folge mit weiteren Abgaben zu rechnen. Oberhalb der 10.500 hätten die Bullen weiterhin die Chance für einen weiteren Angriff, aber es muss jetzt lauter die Frage gestellt werden, woher diese positiven Impulse kommen sollen? Der Anstieg von knapp oberhalb der 9.000 beruhte nahezu nur auf Hoffnungen auf weitere Geldgeschenke der Notenbanken; das die EZB noch mehr Geld in den Markt pumpt und die FED ihre Zinswende deutlich verschiebt. Es deutet sich momentan recht klar an, dass sämtliche Hoffnungen Hirngespinste waren. Real waren hingegen die Ängste um eine Abkühlung der Weltwirtschaft, beginnend in den Schwellenländern, die für den heftigen Abverkauf in Richtung 9.000 gesorgt hatten. Genau diese Faktenlage konnte sich in den vergangenen Wochen nicht bessern, sondern trübte sich immer weiter ein (Frühindikatoren, Wirtschaftsdaten aus China). Der Markt hatte diese Fakten aufgrund der extremen Abhängigkeit von den Notenbanken jedoch einfach ausgeklammert. Was bleibt ist die positive Saisonalität, die immer noch für einen versöhnlichen Abschluss sorgen könnte. Es wäre daher für die letzten Tage im Jahr denkbar, dass unser DAX noch die 10.500 antesten wird und in den ruhigeren letzten Handelstagen bis an den GD200 bei 11.100 steigen könnte. Der versöhnliche Jahresabschluss wäre dann gegeben, allerdings hätte man auf diesem Niveau auch eine rechte Schulter einer SKS-Formation aufgebaut.

In der neuen Woche stehen einige neue Daten aus China an, welche nun vielleicht wieder Beachtung erhalten werden und zum Störfeuer mutieren könnten. Ebenso werden die nächsten Daten aus den USA beäugt werden, obwohl die erste Zinserhöhung seit fast 10 Jahren(!) wohl im Dezember anstehen dürfte. Diese “FED -Vorwehen” könnten die letzten starken Impulsgeber in diesem Jahr sein. Die vielen starken Divergenzen im Markt, die wöchentlichen Rekorde und die extreme Volatilität – und ich weiß, dass ich mich hier wiederhole – sprechen alle nicht für einen ruhigen in sich gefestigten Markt. Es sind eher Vorboten für ein wildes 2016. Es ist weiterhin gut möglich, dass wir in diesem Jahr die starke Hausse bereits abgeschlossen haben und im neuen Jahr deutlich die Baisse erkennen werden!

DAX 60-Minutenchart nah am ersten horizontalen Widerstand.

dax60

DAX Tageschart: Wieder unterhalb der Abwärtstrendlinie und dem GD200. Erster Widerstand am Retracement bereits angelaufen. Rebound bis zur Trendlinie und dem GD200 bleibt vorerst einzuplanen.

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DAX Wochenchart: Ebenso unterhalb der Abwärtstrendlinie und wieder am 62-er Retracement. Schaffen die Bullen nochmal die Wende, oder haben wir in der vergangenen Woche den Fehlausbruch und damit den Abbruch der Jahresendrally gesehen?

daxwoche

DAX Monatschart: Droht ein bullischer Fehlausbruch im großen DAX-Bild? Die Bullen müssten im Dezember nun noch ordentlich Gas geben. Ein Rutsch unter die 10.500 und zurück ins langjährige Dreieck könnte den großen Fehlausbruch aktivieren.

daxmonat

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Letztes Update am: [last-modified]

    • Montag, 19:15 Uhr
    • Die hohe Volatilität bleibt dem Markt erhalten. Der erwartete Rücksetzer in Richtung Abwärtstrend und GD200 wurde heute bereits zum Teil abgearbeitet. Bei knapp 11.000 wurde der kürzlich erneut gebrochene Trend angetestet. Es folgte ein bärischer Abpraller zurück in das Retracement (siehe Chart). Die heutige Tageskerze schaut somit alles andere als erfreulich aus und die Bullen sollten sich morgen sputen genau dieses Signal wieder zu negieren. Ansonsten geht der Fokus zurück auf die 10.500/.590.

dax

  • Dienstag, 19:00 Uhr
  • Die Bewegung & Tageskerze von gestern hatte bereits negative Signale vorausgeschickt, die der DAX heute auch voll aufgegriffen hat. Neben der charttechnischen Vorlage belasteten zusätzlich erneut schwache Daten aus China und der weitere Verfall bei den Rohstoffen.
  • Der DAX befindet sich nun nah am Key-Support bei 10.500. Bei der 10.600 gibt es eine erste Unterstützung, welche morgen für eine bullische Gegenbewegung sorgen könnte. Der DAX bleibt unterhalb der 11.000 und oberhalb der 10.500 neutral seitwärts gerichtet. Die Saisonalität spricht noch für die Bullen. Der derbe Fehlausbruch über die 11.000 deutet eher Vorteile für die Bären an.

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