Die Zeiten an der Börse waren auch schon mal einfacher. Die Unsicherheit der Anleger ist in den letzten Wochen durch eine erhöhte Volatilität und zweifelhaften Bewegungen an markanten Kursmarken deutlich zu erkennen. Einerseits drückt der – auch Saisonal bedingte – Kaufdruck, den die Notenbanken durch ihre Geldpolitik stetig befeuern. Aufgrund der mangelnden Anlagemöglichkeiten werden die Marktteilnehmer gezwungen ein erhöhtes Risiko einzugehen und in den Markt zu investieren. Genau diesen Fakt konnte in der vergangenen Woche direkt nach den Terroranschlägen in Frankreich sehr gut beobachtet werden. Der Markt legte am Montag mit dem Test des Supports bei 10.500 (vorbörslich noch deutlich tiefer) eine Bärenfalle aus, die es so richtig in sich hatte. Danach wurde der GD200 und der Abwärtstrend auf der Oberseite in Angriff genommen, allerdings fehlte an dieser wichtigen Marke etwas die Dynamik und man erkannte wieder die unsichere Lage der Anleger, die sich andererseits über die Risiken klar bewusst sind, aber ihre Rendite trotzdem erzielen müssen. Eine ganze Reihe von Frühindikatoren hatten in dieser Woche Mehrjahrestiefs ausgebildet. Der Baltic Dry Index, einer der wenigen wirklich realen Frühindikatoren, steht sogar am Rekordtief(!). Zusätzlich flammt das Thema Terror und IS wieder stark auf. Und die FED? Sie wird im Dezember die Zinsen erhöhen und den Dollar weiter steigen lassen, weil eben Mr. Moneymaker Draghi genau das Gegenteil macht und das Geld weiter in den Markt pumpt. Der Euro wird weiter fallen – und den DAX stützen – und der Dollar steigen und den US-Export belasten. Viel härter wird es jedoch die Emerging Markets erwischen, die ihre Schuldenlast in Dollar aufgenommen haben. Eine weitere Aufwertung dürfte die jetzt schon viel zu hohe Schuldenlast unerträglich werden lassen. Das große Thema China und Japan, welches sich trotz massivster Maßnahmen der Notenbank wieder in der Rezession befindet, soll nur mal so am Rande erwähnt bleiben. Die Marktteilnehmer sind sich dieser Lage durchaus bewusst, aber sie gehen dieses Risiko Stück für Stück ein. Dieses Abkapseln von realen Faktoren beschleunigt natürliche eine Blasenbildung, von der man jedoch nie weiß, wann sie abgeschlossen wird bzw. ob sie vielleicht sogar schon abgeschlossen wurde. Schließlich notiert der DAX noch weit unter seinem Allzeithoch.

Im Gegensatz zur Rally am Jahresbeginn ist die aktuelle Bewegung nur noch durch die Geldpolitik getrieben. Das politische und wirtschaftliche Umfeld hat sich seit dem stets eingetrübt und das erkennt man durchaus auch am Chartbild. Zu Jahresbeginn ging es weit über das AZH (Allzeithoch) und eiskalt stetig nach oben. Diesmal schauen die Formationen eher gequält aus, an wichtigen Marken folgen keine Fortsetzungskerzen, sondern zögerliche Ausbruchversuche. Man ist deutlich vorsichtiger geworden, aber man tastet sich Schritt für Schritt voran. Markteinschätzungen sind aufgrund der vielen Unsicherheiten wahrlich nicht einfacher geworden, da zusätzlich auch noch der Intermarket in verschiedene Richtungen driften möchte. In den USA wird es die erste Zinswende im Dezember geben, in Europa sieht Draghi hingegen weiteren Handlungsbedarf und möchte die Geldpolitik noch weiter lockern. An diesem Punkt würde ein interessantes Spannungsfeld entstehen. Der Euro könnte unter die Parität rutschen und der Dollar sich damit weiter deutlich verteuern und die US-Wirtschaft und die Schwellenländer belasten. Der US-Aktienmarkt könnte somit unter Druck geraten und der DAX hingegen gestützt werden. Doch ist hier eine historische Abkopplung der Märkte denkbar? Man bewegt sich Dank der Geldpolitik nochmals auf unbekanntes Terrain zu, welches wohl niemand seriös einschätzen kann. Es gilt vorerst einfach abzuwarten… In 2 Wochen entscheidet die EZB, dann die FED… danach wäre auch das saisonal gute Umfeld vorerst vorbei und die Karten werden neu gemischt.

Die neue Woche ist durch wenige Nachrichten gekennzeichnet, welche momentan aber eh wenig beachtet werden, aber trotzdem dürfte es (charttechnisch) spannend werden. Der DAX befindet sich seit den letzten beiden Handelstagen auf Ausbruchsniveau, aber konnte sich bisher nicht wirklich absetzen. Beim Euro könnte um die 1.06 eine technische Erholung anstehen. Beim Gold im übrigen ebenso und im US-Markt bewegen sich S&P500 und Dow Jones nah am Rounding Top. Eine interessante Ausgangslage, die auch noch einen Fehlausbruch im DAX ermöglichen könnte.

Beim DAX erkennen wir im Wochenchart sehr gut die Unsicherheit der Marktteilnehmer. Die letzten 3 Wochenkerzen wirken richtungslos, aber es lässt sich auch ein inverses waagerechtes Dreieck erkennen. In der neuen Woche bräuchten die Bullen eine lange grüne Fortsetzungskerze, um die bullische Bewegung zu untermauern.

daxwoche

Im Tageschart konnte sich das Bild aufhellen, obwohl es an der Ausbruchmarke erneut Probleme gibt. Direkt am Montag nach den Terroranschlägen in Frankreich, konnte der DAX die Nackenlinie um 10.500 in den ersten Handelsminuten anlaufen und abprallen. Der “unsaubere” Doppelboden könnte somit eine Bestätigung erfahren. Das rein rechnerische Ziel der Formation wäre bei 11.800 zu finden! Momentan kämpft der DAX jedoch noch mit der Abwärtstrendlinie und dem GD200 bei knapp 11.100 und wie eingangs bereits geschrieben, könnte der Intermarket bald gegensätzliche Signale senden. Ein nächster größere Widerstand wäre im Bereich 10.230/280, wo das 62-er Retracement, ein größeres Gap und die Oberkante des waagerechten Dreiecks (siehe 5-Minutenchart) lauern. Dieses Ziel wäre kurzfristig klar einzuplanen. Darüber wären die nächsten Marken die 11.600 und die 11.800 als Zielbereich der unsauberen Formation.

dax5min daxretracement daxtag

Der Blick zum Intermarket deutet zumindest kurzfristig etwas Gegenwind an. Euro und Gold könnten sich technisch erholen – Gold vielleicht sogar sehr stark. Dow Jones und S&P500 stehen nah an wichtigen Widerständen und im Gegensatz zum europäischen Markt, verlieren die US-Börsen langsam den Rückhalt der Notenbank und damit auch einen wichtigen Kurstreiber. Ich bin sehr gespannt wie dieses gegensätzliche Treiben zwischen den Märkten aufgelöst werden kann. Die nervösen Bewegungen der letzten Wochen zeigen wohl auch auf, dass die meisten Marktteilnehmer diesen Sachverhalt genauso unsicher beobachten.

dow sundp

Allgemeiner Hinweis:

Die aktuellsten Infos gibt es in den Trading-Gruppen (Live-TradingMarktgeflüsterNewsticker). Volle Einsicht erhalten aber nur registrierte Mitglieder der Seite. Hier kostenlos anmelden.

Sämtliche Bereiche und Funktionen (Bsp: E-Mail Service) stehen zu 100% kostenlos zur Verfügung. Bitte beachtet daher auch die Werbepartner. Danke. 🙂

Lasst Profis für euch traden: Social Trading

Letztes Update am: 27. Nov 2015 @ 18:58

    • Montag, 19:15 Uhr
    • Die Woche vorm EZB-Zinsentscheid beginnt sehr gemütlich – vielleicht überraschend gemütlich, denn erneut konnte sich der DAX nicht vom Ausbruchniveau zwischen Abwärtstrend und GD200 absetzen. Das Gap unterhalb der 11.050 bleibt ebenso offen und somit endet ein Tag ohne neue Signale.
    • In den USA steht aufgrund einiger Feiertage nur eine halbe Handelswoche an, die vermutlich auch noch relativ ruhig verbracht wird. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass sich der DAX bis zur EZB-Sitzung weiter in enger Range bewegen wird. Die Fundamentaldaten erlauben anscheinend keinen weiteren Anstieg (zumindest möchte aktuell niemand das Risiko eingehen) und ohne eine weitere Geldflut möchte man wohl auch nicht in den Markt einsteigen. Auf dem aktuellen Niveau könnte ein negativer Impuls aber zum Abbruch des Ausbruchsversuch führen.
    • Spannend bleibt der gestern bereits erwähnte Intermarket.
    • Dienstag, 18:50 Uhr
    • Der DAX bleibt von viel Unsicherheit geprägt und bestätigte heute erneut einen Fehlausbruch. Diesmal auf der Oberseite am GD200 und dem Abwärtstrend. Der wichtige Support um die 10.850 – wo u.a. übergeordnete Retracements verlaufen – konnte bisher halten. Diese Markte könnte abermals als Sprungbrett für die Bullen dienen. Ein Unterschreiten hingegen wäre ein erstes größeres Warnsignal an die bullischen Freude. Der Ausbruch-Support um 10.500 würde dann wieder in den Fokus rücken!
    • Im US-Markt bleibt das große Rounding-Top aktiv. Untergeordnet besteht nun auch die Gefahr eines Doppeltops.

dax dow

  • Mittwoch, 18:20 Uhr
  • Der DAX bleibt im Verrücktenmodus… Nach dem gestrigen scharfen Abprall am Kreuzwiderstand (GD200 und Abwärtstrend), springt der DAX heute genauso scharf wieder über den Widerstand. Vergessen sind die Sorgen von gestern…
  • Unterstützung gab es natürlich abermals von den Notenbanken. In einer Exklusiv-News von Reuters wird berichtet, dass bei der anstehenden EZB-Ratssitzung auch eine Ausweitung des QE und eine Zinssenkung diskutiert wird. Unglaublich, aber wahr… Danach startete der DAX einen 250-Punkte-Run. Dabei stellt sich schon die Frage über was die Herrschaften sonst diskutieren werden? Über die Kaffeemarke im Sitzungssaal?! Selbstverständlich wird man über das QE diskutieren!
  • Der Euro musste heute auch deswegen ein neues 7-Monatstief hinnehmen und konnte den DAX damit sicherlich weiter anschieben. Die US-Märkte haben hingegen mit dem starken Dollar zu kämpfen und wollen gar nicht so recht in die Thanksgiving-Rally starten – das übernimmt wohl der DAX.
  • Der DAX steht nun wieder oberhalb vom GD200 und dem Abwärtstrend. Diesmal nachhaltig? Dafür spricht zumindest die 2. Wochenhälfte, wo die US-Börsen nur noch bis morgen Mittag geöffnet haben und somit keine Impulse setzen werden. Die Thanksgiving-Woche war in der Vergangenheit mit über 60% eine positive Woche.
  • Auf der Oberseite warten zwischen 11.230/80 mehrere Widerstände (Retracement, großes Gap), welches durchaus in dieser Woche angelaufen werden könnte.
  • Die angespannte weltpolitische Lage bleibt ein gefährliches Zünglein an der Waage.

dax

  • Donnerstag, 19:30 Uhr
  • Der DAX setzt seine Rally-Bewegung von gestern bei dünnen Umsätzen fort. Allerdings nahezu alleine. Der Euro hatte keine zusätzliche Unterstützungsbereitschaft gezeigt und hängt zudem in einem bullischen Keil (das wird in der “EZB-Woche” richtig spannend) und der US-Markt hatte die Bewegung gestern bereits schon nicht mehr nachgebildet. Der EURO STOXX 50 konnte den Ausbruch beim DAX zudem bisher nicht bestätigen. Kombiniert mit den äußerst dünnen Umsätzen, welche morgen nochmals geringer ausfallen dürften, bleibt die Frage der Nachhaltigkeit in der Bewegung. Mario Draghi wird wohl liefern müssen…
  • Charttechnisch konnte sich der DAX erstmal vom GD200 entfernen und eine obere Dreiecksbegrenzung anlaufen. Es ist fraglich, ob morgen ohne US-Markt und bei dünnen Umsätzen größere Korrekturen möglich werden. Externe Impulse mal ausgeschlossen. Demnach wäre auch ein 2. Test der Dreicksbegrenzung um die .380 denkbar. Auf der Unterseite wäre die .250 ein erstes Anlaufziel und danach die .160.
  • Im US-Markt gab es keine Veränderungen. Weiterhin steht übergeordnet ein Rounding-Top und untergeordnet die Gefahr eines Doppeltops.

dax dax60 sundp

  • Freitag:
  • Der heutige Handelstag war wie erwartet relativ ruhig, obwohl es aus China ein größeres Störfeuer gab. Abermals sehr schwache Daten aus der chinesischen Industrie und Verhaftungen bezüglich der letzten Verwerfungen am c. Aktienmarkt, hatten heute für einen heftigen Kursrutsch gesorgt. Der DAX musste seine Notenbankrally deshalb unterbrechen und der US-Markt konnte erst gar keine Feiertagsrally starten. Trotzdem hielt sich der Markt für den China-Schock erstaunlich gut. Vor 2 Monaten hatten die gleichen Daten (nur noch etwas besser) für heftige Verwerfungen an den weltweiten Finanzmärkten gesorgt. Ähnlich wie beim Terror in Paris versuchen die Marktteilnehmer auch dieses Risiko einfach auszuklammern. Dabei passen die chinesischen Daten nur zu gut ins Bild der Frühindikatoren, die mittlerweile extreme Tiefpunkte anlaufen. Warnungen, die man nicht sehen möchte…
  • Das Gold hatte heute im übrigen ein neues 6-Jahrestief angesteuert. Viele Staatsanleihen sind mittlerweile in negative Zinssätze gedreht, welche die EZB nun gar nicht mehr aufkaufen kann. Sehr wahrscheinlich würde eine Ausweitung des QE gar an praktische Grenzen stoßen, da es einfach nicht genügend Anleihen zum Aufkaufen gibt… Aber darum wird es der EZB letztendlich auch gar nicht gehen…
  • Neben dem EZB-Termin am Donnerstag, welcher alles überstrahlen wird, bleibt auch der Blick nach China. War der heutige Minicrash nur “ein Ausrutscher” und die liebe Partei kauft Montag schnell wieder den Markt auf, oder folgt die nächste Abwärtsspirale? Dienstag folgen weitere Daten aus dem Reich der Mitte. Wohl der Hingucker neben der EZB.
  • Charttechnisch beendet der DAX die Woche oberhalb vom Trend und dem GD200 – ein Ausbruch, welcher jedoch von äußerst dünnen Umsätzen getragen wird. Fundamental stehen sehr viele Sorgenfalten, aber vielleicht ist das auch egal in einem Notenbankmarkt? Fraglich bleibt auch der Intermarket. Wie wird der US-Markt reagieren? Die letzte Aufwärtsbewegung hatte er bereits nicht mehr nachgebildet und er steht weiterhin an wichtigen Widerständen. Der Dollar wird weiter scharf aufwerten, falls die EZB liefert und den US-Markt und vor allem die Schwellenländer belasten. Das kuriose: Die EZB hatte genau vor dieser Gefahr gestern gewarnt… 😉 Die Kräfte an den Märkten werden in 2 unterschiedliche Richtungen ziehen. Im Gegensatz zum Beginn der QE ist das fundamentale Umfeld und eben der Intermarket der große Unterschied mit vielen Unsicherheitsfaktoren. Rein charttechnisch haben die Bullen wieder viel Luft nach oben erarbeitet, allerdings gab es zuletzt auch mehrere Fehlausbrüche, die das ganze Umfeld umso risikoreicher gestalten. Selten gab es so viele Divergenzen am Markt! Hier braut sich richtig was zusammen…
Du magst diesen kostenlosen Content & möchtest die Arbeit auf der Seite wertschätzen? Dann unterstütze Trading-Portal.NET auf Patreon!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.