Der DAX steht aktuell knapp vor einem Kreuzwiderstand mit dem GD200 und der Abwärtstrendlinie bei knapp 11.100. Es stellt sich die Frage, ob der DAX nur neue Kraft schöpfen möchte, oder ob es doch substanziell fehlt. Die Märkte sind so stark wie nie durch die Notenbanken beeinflusst und genau dieser Fakt, lässt eben viele Szenarien möglich erscheinen. Fassen wir daher einfach mal die Fakten zusammen:

  • Die US-Arbeitsmarktdaten waren in der vergangenen Woche überraschend positiv. Vielleicht stehen sie sogar auf ihrem Hochpunkt. Yellen und auch andere FED-Ratsmitglieder haben sich davor bereits für einen Zinsschritt im Dezember ausgesprochen. Eine Erhöhung ist somit sehr wahrscheinlich. Wann dann, wenn nicht jetzt?!
  • Vor einem Monat zum Start der Rally war die Lage komplett verdreht. Schwache Daten hatten neue Notenbankhoffnungen geweckt, eine Rally gestartet und den Euro verteuert. Der Euro ist nun wieder deutlich günstiger geworden und der Dollar hingegen deutlich teurer. Der teure Dollar dürfte den US-Export weiter belasten. Das könnte ein Stolperstein für die US-Märkte nach ihrer starken Rally werden, welche ja eigentlich nur auf die besagten Hoffnungen der Notenbank beruhte. Das billige Geld wird wohl weniger werden, die Berichtssaison war bereits durchwachsen und der teure Dollar hatte aktuell schon einige Bilanzen verunstaltet. So langsam wird es schwierig im US-Markt die positiven Impulse zu finden… Aber vielleicht möchte man auch noch die Rückkehr in die Normalität “feiern”. Bei einem neuen Allzeithoch wäre jedenfalls eine weitere Beschleunigung nach oben möglich, allerdings bleibt die Frage nach der Substanz in der Bewegung, welche ohne die FED dann sehr bald durch Fakten geschaffen werden müsste.
  • Und der DAX? Er reagiert sehr merkwürdig. Trotz der guten Vorgaben (u.a. Rally in den USA) und dem Abverkauf beim Euro (macht unseren Export günstiger) hängt er weiterhin unterhalb des GD200 und der Trendlinie. Droht ein Abpraller am GD200? Dann hätten die Bären vielleicht noch einiges an Fantasie parat. Ein Sprung über die 11.100 könnte hingegen einen starken  bullisches Squeeze hervorrufen.
  • Das aktuelle defensive Verhalten im DAX könnte aber ebenso durch die Notenbanken beeinflusst sein.  Draghi hatte zuletzt klar Handlungswillen für Dezember gezeigt. Eine Ausweitung des QE wäre durch einen Zinsschritt in den USA und dem schwachen Euro jedoch überflüssig und unwahrscheinlich. Zumindest zu diesem Zeitpunkt! Zugleich wäre es wohl ein Affront gegenüber Yellen, welche dann mit einem sehr teuren Dollar zu kämpfen hätte. Dem Euro würde wohl möglich sogar ein Crash drohen und fraglich, ob Draghi der Auslöser dafür sein möchte. Ursprünglich war die Aufgabe einer Notenbank ja mal die Währungsstabilität… 😉
  • Tja und dann bleibt auch noch China. Die letzte Daten deuten weiterhin in Richtung konjunkturelle Abkühlung. Zuletzt wurden diese Daten dank neuer Aktionen bei den Notenbanken gefeiert, aber es könnte ein Umdenken einsetzen, wenn diese Maßnahmen augenscheinlich ins Leere laufen. In dieser Woche folgt eine kleine Datenflut aus dem Land der Mitte. Es könnte der Impulsgeber in dieser Woche sein.

Der Fokus bleibt auf die Widerstandszone um 11.100. Darüber wäre ein 500-Punkte-Squeeze möglich. Darunter startet eine Konsolidierung in Richtung .650/.520/.380. Eine Korrektur der US-Märkte könnte der DAX durch den sehr schwachen Euro vielleicht auch besser wegstecken.

Anbei habe ich noch ein paar DAX-Chartbilder für euch. Im Monatschart müsste der DAX in diesem Monat eine bärische Kehrtwende einleiten. Dann könnten Ähnlichkeiten zu 2008 (siehe Kreis) in den Fokus rücken. Ansonsten geht die Hausse unvermindert weiter.

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Letztes Update am: 13. Nov 2015 @ 22:09

    • Mittwoch, 20:00 Uhr
    • Die halbe Handelswoche ist vorüber und der DAX hat weiterhin Schwierigkeiten mit dem Kreuzwiderstand bzw. hat er sich von diesem sogar entfernt. Zwischen der 10.700 und 11.000 bewegt er sich jedoch auf “neutralem Boden” ohne neue Signale zu generieren. Es bleibt jedoch sehr auffällig, dass der DAX den Widerstand nicht angreifen möchte, obwohl die Rückdeckung zuletzt vom US-Markt und vor allem vom schwachen Euro klar gegeben war.
    • Interessant ist auch der Blick zum US-Markt, wo das große Rounding-Top im S&P500 und Dow Jones aktiviert bleibt. Darüber würde sich die Lage klar aufhellen und für ein neues AZH sprechen. Darunter könnte eine heftige Korrektur über Wochen die Folge sein. Ein großes Rounding-Top kann aber sehr geduldig sein und wird nur langsam ausgebildet. Die “rechte Seite” würde diesen Freiraum auch noch bieten…
    • Die Gretchenfrage bleibt jedoch, ob die Notenbanken weiterhin das (letzte) Zugpferd bilden können. Die aktuelle Rally hatte letztendlich keinen anderen Hintergrund als die diffusen Notenbank-Hoffnungen. Bei der FED hofften die Marktteilnehmer – dank mieser Arbeitsmarktdaten – auf eine Zinswende später im Jahr 2016. Nun droht sie sogar ganz real im nächsten Monat – auch wenn sie vorerst nur mikroskopisch klein ausfallen dürfte – aber sie wäre eben trotzdem das Ende der jahrelangen ultralockeren Geldpolitik. Draghi von der EZB streute zusätzlich Hoffnungen das QE im Dezember auszuweiten. Allerdings sollte im Dezember eigentlich nur eine Prüfung stattfinden, aber die Marktteilnehmer wollten damals anscheinend nicht wirklich jedes Wort auf die Goldwaage legen… Dank Ýellen ist Draghi nun jedenfalls so gar nicht mehr unter Zugzwang und die letzten Äußerungen aus der EZB scheinen dies auch zu bestätigen. Man rudert anscheinend zurück. Doch was bleibt, wenn die Notenbankträumerei nicht aufgeht? Das einzige Zugpferd der letzten Rally… Eine große Unbekannte in China, neue Sorgen in Südeuropa, viele Krisenherde weltweit, eine arg durchwachsene Berichtssaison und ein teurer Dollar, der eben keine Besserung für den US-Markt verspricht. Die Liquidität der Märkte bleibt der letzte Antreiber – ein gefährlicher Antreiber direkt in die Asset-Blase. Es entsteht eine gefährliche Mischung, wenn das billige Geld so langsam schwindet, zugleich aber die Krisenherde bleiben. Die Notenbanken dürften dann sämtliches Vertrauen für eine lange Zeit verspielt haben. Aber wer bleibt dann als Impulsgeber?

dax dow sundp500

  • Donnerstag, 12.11.15 – 08:25 Uhr
  • Bevor die Notenbanken die Märkte in Geld ertränkt haben, gab es auch mal eine Zeit, wo die Marktteilnehmer auf Frühindikatoren geschaut haben… Das macht aktuell scheinbar niemand mehr? Eine gefährliche Sorglosigkeit? Rohstoffpreise an extremen Tiefpunkten war fast immer ein ernster Hinweis für eine abkühlende Wirtschaft. Und natürlich möchtne einige Optimisten darin nur ein Spiel der Ölmultis sehen, aber ist dies wirklich so? Warum fällt dann im Gleichschritt der Baltic Dry-Index, welcher den Preis für den Schiffstransport von Massenfrachtgütern misst? Und das um über 50% in 12 Monaten? Es wird deutlich weniger nachgefragt und es wird deutlich weniger transportiert. Dies spiegelt sich neben den Konjunkturindikatoren bereits auch auf die Geschäftszahlen der Exportunternehmen wieder. Sorglosigkeit im Schutzmantel quasi endloser Liquidität war noch nie ein guter Ratgeber. Fundamental abgekapselt schifft man durch die Liquiditätsschwemme. Vielleicht rettet man sich durch die Saisonalität noch halbwegs ins das neue Jahr. Spätestens dann dürfte diese krasse Divergenz mit aller Macht um Gehör bitten.
  • Die US-Börsen schlossen gestern auf Tagestief. Die Verbraucherpreise in Deutschland stehen unverändert bei 0,3%. Somit kein zusätzlicher Druck für Draghi. Folgt heute die Fortsetzung der Konsolidierung in Richtung .700/.680?
  • Freitag, 13.11.15 – 18:35 Uhr
  • Der Kreuzwiderstand konnte in dieser Woche nicht voll angelaufen, stattdessen ging es im Sog der Wall Street in die Konsolidierung. Wie zu Wochenbeginn vermutet, konnte der DAX die Konsolidierung – dank Euro auf Tiefflug – besser wegstecken.
  • Es gilt vorerst den kompletten Wochenschluss abzuwarten, um erste Ableitungen für die neue Woche zu ziehen. Der Xetra-DAX konnte Halt am GD100 finden, allerdings würde der RSI bei einem weiteren negativen Tag die 50 schneiden und eine weitere Eintrübung andeuten.
  • Der US-Markt konsolidierte bereits stärker und konnte nun einen ersten Supportbereich anlaufen. Folgt bereits eine Stabilisierung? Eine wirklich saubere Konsolidierung hätte in meinen Augen noch Platz und könnte die aktuelle Bewegung vielleicht noch um 40% ausdehnen. Spannend bleibt für den DAX der Blick zum Euro. Falls er eine technische Erholung startet, könnten auch beim DAX die Verluste steigen. Der Bereich um die .500 wäre eine die nächste Anlaufstation. Er ist momentan der einzige Antreiber. Die Fundamentaldaten rechtfertigen bereits seit Wochen keinen weiteren Anstieg und die Notenbanken konnte mit Worthülsen keine Impulse mehr setzen.
  • 22:00 Uhr
  • S&P500 hat nun wieder GD200 und 100 gekreuzt. Dow den GD200 scharf und nah am GD100. Und das zum Wochenschluss… Der DAX hatte nach seiner Rally plötzlich Angst vorm Kreuzwiderstand und fällt trotz Eurostütze deutlich zurück. Eigentlich war der große Sprung zum greifen nah… Und er liegt vor allem noch deutlich hinter dem US-Markt, welcher zumindest das AZH im Visier hatte. Nur noch verrückte Bewegungen dank der Notenbanken. Das sind aber alles keine sonderlich gute Anzeichen für einen in sich stabilen Markt. Die teilweise krasse Volatilität mit Fehlausbrüchen auf allen Seiten wird das Trading aber weiterhin wahrlich nicht einfach gestalten.
  • Die US-Börse schließt auf Wochentief und genau diese Wochenkerzen sprechen für neue Tiefpunkte zur neuen Woche. Von Deckel bis Konsolidierung und neuen Angriff bleibt aber alles möglich. Ein Zucken der Notenbanken reicht ja oft schon aus, auch wenn die Bewegung am Ende nicht (mehr) nachhaltig ist. Kurzfristig dürfte der DAX auch nochmal die .800 in Angriff nehmen. Es wird spannend, denn die letzte Rally könnte sich auch noch als großer bullischer Fehlausbruch erweisen. Das gigantische Rounding-Top im US-Markt ist weiterhin voll intakt.
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