Das sind momentan wieder schwierige Zeiten an denen man sich am liebsten von der Außenwelt abkapseln möchte. Kaum bewegt sich der Markt in einen wichtigen Make-or-Break Bereich tümmeln sich im Netz sämtliche Meinungen zum weiteren Verlauf und wie so oft können die verschiedenen Ausblicke kaum differenzierter sein. Einige sehen bereits die Jahresendrally (wobei die Zeit noch gar nicht ran ist) inkl. neuen Höchstständen und andere sehen eine technische Bewegung in einer übergeordneten Korrektur. Ich versuche diese ganzen Meinungen auszuklammern, da sie die eigene Meinungsbildung erschwert und man sich unterschwellig beeinflussen lässt, denn natürlich kann niemand den wahren Verlauf vorhersagen, sondern nur aufgrund seiner Fähigkeiten die wahrscheinlichen Bewegungen skizzieren. Passend zum aktuell spannenden Zeitpunkt habe ich in der vergangenen Woche ein kleines “Trader-Paket” von Wikifolio erhalten, wo u.a. auch ältere Fachzeitschriften von Juni beigelegt waren. Der DAX stand in dieser Zeit bei ca. 11.500 und hatte gerade den Rutsch von 12.500 halbwegs verarbeitet. Tja und was steht in den Analysen der Zeitungen? “Jetzt kaufen” – “Die Korrektur ist vorbei” u.ä.! Heute wissen wir, dass der DAX zu diesem Zeitpunkt eine technische Erholung abgeschlossen hatte und danach noch gut 2.500 gefallen ist. Nachfolgend könnt ihr noch meinen Ausblick von dieser Zeit nachlesen. Heute stehen wir wieder an einer ähnliche Marke und die Meinungen gehen abermals komplett auseinander. Man kann sich das alles durchlesen, aber die Schlussfolgerungen muss man am Ende selber ziehen.

Ich persönlich sehe diese Aufwärtsbewegung noch skeptisch und das warum hatte ich in der vergangenen Woche schon kurz skizziert, was ihr nachfolgend nochmal nachlesen könnt:

Ich hatte es nun schon mehrfach erwähnt, dass mich die aktuelle Bewegung sehr an Ende Juli/ Anfang August erinnert. Und das nicht nur vom Chartbild, sondern auch vom aktuellen Umfeld. Was ist denn seit einer Woche passiert?
Vor genau einer Woche haben die US-Arbeitsmarktdaten für einen tiefen Schockmoment gesorgt, allerdings wurden genau dadurch wieder diffuse Notenbankfantasien geweckt. In der neuen Woche wurden die Daten jedoch nicht besser. Einbruch bei Industrie und Gewerbe. Die Inflation fällt weiter. Stärkster Einbruch der deutschen Export seit über 6 Jahren. Erneute Anpassung der Konjunkturprognosen von den führenden Wirtschaftsinstituten nach unten. Neben Schwergewicht VW nun auch die Dt. Bank mit einem Rekordverlust. Abgerundet wird die Sache mit einem schwachen Start in die Quartalsberichtssaison. Diese schlechten Fundamentaldaten wurden bisher – und ähnlich wie im Juli – dank neuer Notenbankhoffnungen vollkommen ignoriert. Doch was gab es nun tolles im FED-Protokoll? Eigentlich mehr oder minder die gleichen Aussagen wie in den Monaten zuvor! Die FED weiß es selber nicht genau und ist sich weiterhin unsicher und uneins. Die Wackelpartie, die vor Wochen noch für Abverkäufe gesorgt haben, geht also unverändert weiter. Von einer Absage der Zinswende oder gar einem neuen QE-Programm war nirgends die Rede!
Und genau diese Situation hatten wir im Juli/ August bereits und der Kurs ging ebenso mit dünnem Volumen langsam Stück für Stück nach oben – ja sogar mit einem (Fehl)Ausbruch! Diesmal ist der DAX noch gut von einem Ausbruch entfernt, aber die Bewegung ist trotzdem sehr ähnlich. Einen Ausbruchsversuch gab es gestern beispielsweise im Dow Jones. Dieser wurde vom niedrigsten Volumen in dieser Woche “gestützt”.
Das Fundament der aktuellen Rally ist so porös wie eine aufgepuffte Reiswaffel und wenn die Bullen es nicht bald schaffen Substanz hinter die Bewegung zu bekommen, wird man sich sehr bald noch viel stärker an Juli/ August erinnern. Die Augen sind somit auf die startende Berichtssaison gerichtet und mit gutem Grund wurden viele Prognosen seit Monaten bereits gesenkt. Nur starke Überraschungen werden hier wohl noch Substanz in die Rally bringen. Aber wehe, wenn die Q3-Zahlen genau das widerspiegeln was die Wirtschaftsdaten bereits seit Monaten aufzeigen… Dann wird man die aktuelle Rally als mühsamen Aufstieg auf das 10-Meterbrett abhaken müssen…

Letztendlich konnte der DAX in der vergangenen Woche “nur” das obere Ziel der technischen Erholung (siehe Ausblick) abarbeiten und bleibt hierbei auffällig hinter dem US-Markt zurück, was aber u.a. durch die VW-Aktie begründet sein könnte. Der US-Markt konnte in der vergangenen Woche einen stark Sprung hinlegen und steht nun bereits an einer wichtigen Entscheidung: Zurück in die Hausse, oder ab in die scharfe Korrektur, welche durchaus im Bärenmarkt enden könnte. An diesem Punkt stellt sich natürlich die Frage, ob dieser große Durchbruch wirklich gelingen kann. Wie ist es denn schließlich zum großen Rutsch an den Finanzmärkten gekommen? A – Die Unsicherheit bezüglich der Zinswende und B – Konjunkturängste. Tja und bei der Frage zur Zinswende besteht eben weiterhin absolute Unklarheit und es regiert nur das Prinzip Hoffnung – genau wie bereits im Juni. Und die Konjunktur? Die letzten Daten aus der Wirtschaft bestätigen glasklar Probleme in der Weltwirtschaft und untermauern eher die Ängste von damals. Wo ist also der substanzielle Grund für die Rückkehr in die Hausse?! Die Ausgangslage ist unverändert! Aber wagen wir den Blick auf die Charts. 🙂

Der DAX konnte sich in der vergangenen Woche ordentlich erholen und wurde vorerst durch den GD100 im Wochenchart ausgebremst. Dies war auch mein oberstes Ziel im vergangenen Wochenausblick. Im Gegensatz zu den US-Märkten ist der DAX von entscheidenden Kursmarken noch ordentlich entfernt. Die Schwäche bei VW ist hier sicherlich als Grund anzugeben und wird auch weiterhin als Unsicherheitsfaktor den DAX belasten. In der vergangenen Woche konnte sich VW stark erholen, aber diese Erholung kann durchaus so fragil sein wie der aktuelle Marktanstieg. Die offenen Fragen zum Abgas-Skandal sind einfach noch zu reichlich und mit viel Unsicherheitspotential behaftet. Der Wolfsburger Autobauer hat zum Beginn der Krise Rückstellungen in einstelliger Millardenhöhe gebildet. Einige Investmentbanken erwarten jedoch Belastung jenseits der 80 Mrd. Euro… Ist aufgrund dieser Unsicherheit eine weitere nachhaltige Erholung beim DAX-Schwergewicht möglich? Vielleicht haben wir das wirklich dicke Ende noch gar nicht gesehen…

Der DAX Monatschart hellte sich zuletzt etwas auf, aber bleibt weiterhin klar im Bären-Modus mit aktivem Verkaufssignal. RSI und MACD “erholen” sich zwar leicht, aber stehen weiterhin im roten Bereich und hätten eigentlich auch noch gut Platz um tiefere Bereiche anzutesten. Das mittlere Bollingerband verläuft aktuell bei 10.270 Punkten und wurde bisher nicht angelaufen. Das Hoch der letzten Monatskerze liegt bei 10.522. Ein Sprung darüber würde ein erstes Kaufsignal generieren. Interessant ist auch, dass die aktuelle Kerze im Tiefpunkt oberhalb der vergangenen Kerze liegt. Bleibt man bis Monatsende auf diesem Niveau wäre eine Stabilisierung möglich. Auf der anderen Seite besteht unterhalb der 10.522 weiterhin klar die Möglichkeit ein weiteres tieferes Tief auszubilden. Zusätzlich ist im Monatschart die alte Trendlinie von 2011 zu erkennen, welche wir in der vergangenen Woche erneut nach oben geschnitten haben. Durch diese Trendlinie wäre so selbst auch im Monatschart eine wichtige kurzfristige Marke bei knapp oberhalb der 9.900 definiert.

daxmonat

Zoomen wir nun mit dem DAX Wochenchart etwas ins Detail. Wie auch im Monatschart erkennen wir die blaue übergeordnete Dreiecksbegrenzung oberhalb der 10.500. Bis zur 10.700 erstrecken sich zudem weitere Widerstände und lassen den Bereich 10.500/.700 zu einer Art Make-or-Break Zone anschwellen. An einem solchen Bereich stehen aktuell die US-Märkte. Der DAX hängt somit klar hinterher und ein kurzfristiger Test dieser Marke kann nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Weiterhin werden deutlich tiefere Hochpunkte und tiefere Tiefpunkt ausgebildet, was für eine intakte Abwärtsbewegung spricht. Wir erkennen ebenso dunkelgelb den GD100, welcher in der vergangenen Woche den Widerstand bildete. Der Schlusskurs war jedoch relativ nah an dieser Marke und am Wochenhoch, was ein Indikator für ein weiteres Hoch in der neuen Woche sein könnte. Der MACD möchte zusätzlich bereits ein Kaufsignal generieren, allerdings zieht der RSI noch nicht mit. Ein sehr ähnliches Muster hatten wir bereits im Juli und es endete nicht bullisch, sondern in einer Bullenfalle. Ebenso ist die erneut verletzte Trendlinie von 2011 zu erkennen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der DAX in der neuen Woche diese Linie bei knapp oberhalb der 9.900 antesten wird. Ein Abpraller würde für ein neuen Hochpunkt (10.230/270…) sprechen. Darunter könnte sich das Chartbild schnell wieder gefährlich eintrüben (über die 9.850, 9.750). Nach einem tieferen Hochpunkt könnte übergeordnet dann wieder ein tieferer Tiefpunkt in den Fokus rücken. Auch der Wochenchart bleibt zumindest bis Wochenschluss in bärischer Hand.

daxwoche

Zoomen wir noch in den DAX Tageschart. Wir erkennen die starke Erholung im DAX, aber wir erkennen ebenso, dass sich diese Bewegung noch vollkommen im Rahmen einer technischen Erholung bewegt. Im Bereich oberhalb der 10.200 warten zudem weitere stärkere Widerstände, die problematisch werden könnten. Trotz der starken Erholungsbewegung konnte kein neuer Hochpunkt und damit kein Kaufsignal generiert werden. Der potentielle Doppelboden schaut weiterhin atypisch aus und warnt damit zusätzlich. Dunkelgelb (GD100) und hellgelb (GD200) sind des Weiteren die wichtigen Gleitenden Durchschnitte zu erkennen, welche sich mittlerweile sehr scharf gekreuzt haben. Eine solche klare Bewegung deutet sehr gerne einen bevorstehenden übergeordneten Trendwechsel an. Die Abschlusskerze am Freitag bildete nur einen sehr kleinen Kerzenkörper aus und im Xetra-DAX könnte auch eine Candlestickformation “Abendstern” ausgebildet werden. Eine Möglichkeit für eine Gipfelbildung, falls der DAX morgen ohne neuen Hochpunkt in den Tag geht. Auf der Unterseite bilden die 9.900 (erste wichtige Marke), die 9.850 und die 9.750 wichtige Etappen nach unten. Darunter muss ganz klar eine weitere Abwärtswelle eingeplant werden. Abpraller würden die Tür für ein weiteres Hoch eröffnen, welches übergeordnet aber nicht zu einem Kaufsignal führen muss. Die Lage hellt sich auch im Tageschart erst oberhalb der 10.600 auf. RSI und MACD zeigen bereits einen überkauften Markt an. Der RSI konnte seit der Abwärtsbewegung zum Ende von Q1 2015 diesen Bereich nicht überschreiten, sondern hatte daraufhin stetig seine Korrektur fortgesetzt. Diesmal auch?

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Zum Abschluss zoomen wir noch in den DAX 60-Minutenchart, wo wir den allmählichen (nicht dynamischen!) Anstieg entlang der Trendlinie von August erkennen. Der Doppelboden ist weiterhin atypisch (2. Standbein ohne Dynamik und tiefergestellt) und die Hochpunkte sind fallend. Es wurde noch kein Kaufsignal generiert! Die Bullen müssen auch hier noch eine Kraftanstrengung vollbringen. Ähnlichkeit zum Juli?

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Ich hatte zu Beginn bereits erwähnt, dass der US-Markt bereits eine Stufe weiter ist als unser guter alter DAX. Die DAX-Bullen müssen noch eine Kraftanstrengung vollbringen, um überhaupt erstmal in den wichtigen Widerstandsbereich vorzudringen. Ist das möglich? Es ist zumindest sehr fraglich, ob es Rückenwind aus Amerika geben wird. Dafür möchte ich euch stellvertretend für den US-Markt den Dow Jones mit 2 Charts präsentieren. Klar zu erkennen ist die scharfe Erholung (mit wenig Volumen!) innerhalb einer bärischen Flagge, welche jedoch noch nicht ganz auf der Oberseite angetestet wurde. Erst oberhalb der Flagge würde es ein erstes(!) Kaufsignal geben. Darunter könnte erneut ein böser Abverkauf die Folge sein. Mögliche Wendepunkte wären noch die 16.950 & die 16.650. Die Indikatoren deuten bereits einen klar überkauften Markt an und die Kerze am Freitag könnte der Hinweis auf eine Gipfelbildung sein. Auf der Oberseite warten neben den Trendlinien noch die bereits scharf gekreuzten und fallenden(!) GD200 und GD100. Eine sehr dicke Widerstandszone und es ist sehr fraglich, ob man mit dieser substanzlosen Bewegung dort hinein vorstoßen kann und die Hausse wieder aufnehmen wird. Dafür müsste die Berichtssaison wohl überragend starten, aber selbst dann könnten geplatzte Notenbankträume für fallende Kurse sorgen. Der US-Markt steht vor einer wichtigen Entscheidung! Auf dem aktuellen Niveau ist kein Durchbruch vollzogen und der Abschluss einer Bärenmarktrally möglich.

dow dow-umkehr

Uns erwartet eine spannende vielleicht sogar richtungsweisende Woche. Die Bullen haben Power gezeigt, aber damit bisher nichts erreicht. Haben sie die Kraft dies noch nachzuholen? Impulsgeber wird es mehr als genug geben: US-Berichtssaison, Wirtschaftsdaten u.a. auch aus Deutschland und China. Am Freitag Kleiner Verfallstag!

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche und viel Erfolg!

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Letztes Update am: [last-modified]

  • 18:45 Uhr
  • Das war ein langweiliger Start in die Woche, was jedoch nicht verwunderlich ist… Die große Zahlenflut beginnt erst morgen!
  • Letztendlich wurden heute bei wenig Volumen wieder nur sehr kleine Kerzenkörper ausgebildet. Die Märkte warten ab…
  • Speziell der US-Markt (Dow Jones etc.) bietet jedoch mittlerweile ein gutes CRV (Chancen-Risiko-Verhältnis) für eine Short-Positionierung an.

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  • 19:10 Uhr
  • Der DAX konnte heute ein erstes Signal für einen Gipfel erzeugen. In der folgenden Abwärtsbewegung ging es dann bereits an dem im  Ausblick erwähnten Supportbereich knapp oberhalb der 9.900. Eine nochmals festere Wallstreet konnte dann vorerst schlimmeres verhindern, aber genau in diesem Fakt ruht auch einiges an Gefahr. Der US-Markt ist deutlich überhitzter als der DAX und befindet sich an wichtigen Widerständen. Dazu nimmt das Volumen von Tag zu Tag ab! Ein durchaus scharfer Rücksetzer wird somit immer wahrscheinlicher. Der DAX dürfte dann große Probleme haben den heute angetesteten wichtigen Support zu halten. Zusätzlich droht dem DAX durch die späte Erholung eine SKS-Formation seit der vergangenen Woche.

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