Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Paris möchte ich den Wochenausblick gerne etwas kürzer fassen… Die nun zu erwartenden Emotionen an der Börse würden eine seriöse Einschätzung eh nicht zulassen. Vielleicht droht der fast schon naiven sorglosen Börse jetzt wieder ein Wachrüttler der Realität. Es gab in den letzten Monaten eben nicht nur bedenkliche Entwicklungen in der Weltwirtschaft und vor allem den Schwellenländern, sondern auch politische Herausforderungen (die größte Flüchtlingsbewegung seit dem 2. WK, die größte terroristische Bedrohung seit Al-Qaida), die es seit vielen Jahrzehnten nicht mehr gab. Die Börse hat faktisch alle diese Sorgen ausgeblendet und sich nur noch auf Hoffnungen weiterer geldpolitischen Kamikazeflüge von Draghi gestützt. Eine naive Sorglosigkeit zu unterstellen wäre vielleicht sogar untertrieben… Wir wissen seit der vergangenen Woche nun auch, dass die FED und EZB im Dezember diese Markterwartungen wohl nicht erfüllen werden. Es entsteht ein gefährlicher Mix, wo schnell wieder Emotionen und Ängste in die Märkte vordringen könnten.

Schauen wir kurz auf die Chartbilder. Beim DAX war die Entwicklung der letzten 2 Wochen sehr interessant. Trotz Rally am US-Markt und Euro im Sturzflug konnte der DAX den wichtigen Kreuzwiderstand noch nicht mal voll anlaufen und bleibt so sogar deutlich hinter dem US-Markt zurück. Es stellt sich die Frage, ob der DAX nur konsolidiert, um einen neuen Anlauf zu nehmen, oder ob der Sprung zum GD200 als rein technisch in einem mittlerweile extrem volatilen Markt anzusehen ist. Ein Markt mit Fieberkurven ist zumeist kein Markt, der innere Stabilität aufweist.

Schauen wir kurz zum Monatschart. In der vergangenen Woche hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass die Bullen noch einen positiven Monatsabschluss benötigen, ansonsten könnte ein Szenario wie 2007/08 drohen. RSI und MACD könnten die letzte bullische Bewegung als rein technisch abstempeln und wieder stark nach unten abdrehen. Knapp oberhalb der 10.500 liegt die Unterstützung für das übergeordnete Dreieck. Darunter folgt bei 10.360 das mittlere Bollingerband, welches vielleicht als sauberer Rücksetzer angesehen werden könnte. Darunter droht eine gefährliche Eintrübung.

daxmonat

Schauen wir zum Wochenchart, welcher sich bereits etwas eingetrübt hat. Die wichtige Abwärtstrendlinie konnte nicht überwunden werden, stattdessen deuten sich erste Anzeichen einer Umkehr an. Die aktuelle Wochenkerze lag im Hoch- und im Tiefpunkt unterhalb der Kerze aus der Vorwoche. Der Schlusskurs war nah am mittleren Bollingerband, welches durch die Ereignisse im Frankreich zu Wochenbeginn wohl unterschritten werden dürfte. Nächster wichtige Support liegt bei ca. 10.500. Bei 10.205 der GD100. In diesem Bereich könnten auf Wochenschlussbasis RSI und MACD wieder ein Verkaufssignal generieren.

daxwoche

Es folgt noch der Blick auf die verschiedenen Tagescharts. Es ist gut zu erkennen, dass der gelbe GD200 und die wichtige Abwärtstrendlinie nicht voll angelaufen werden konnten und der DAX seit dem ein kleines Rounding-Top ausbildet. Ebenso konnten die zum Teil langjährigen Retracements als wichtiger Widerstand fungieren. RSI und MACD bilden gerade ein Verkaufssignal aus. Das mittlere Bollingerband wurde bei .730 geschnitten. Unterstützungen finden wir bei knapp .500, etwas oberhalb der .300 und dann zwischen 10.000/050. Darunter droht ein größerer Abverkauf. Darüber eine Seitwärtsbewegung, oder gar ein neuer Angriff auf den Kreuzwiderstand. Dafür müssten die Bullen aber schon sämtliche positive Impulse zusammenkratzen…

Interessant ist auch der Blick zum Xetra-DAX (Chart folgt morgen!). Knapp oberhalb der 10.500 klafft ein größeres Gap. Ein niedriger Start mit Gap in diesem Bereich könnte für eine Inselumkehr beim DAX sprechen und Ziele bis unter die 10.000 andeuten.

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Anbei füge ich nochmals die Tagescharts vom Dow Jones und S&P500 ein, welche sich weiterhin in einem (jetzt noch größeren) aktiven Rounding-Top bewegen. Diese Umkehrformationen sind oft sehr “geduldig” und sie weisen aktuell auf der rechten Seite durchaus noch Platz für ein weiteres starkes volatiles auf und ab auf. Bei einer Aktivierung droht ein massiver Abverkauf, welchen den letzten Crash noch deutlich in den Schatten stellen wird. Ein Sprung über das Top würde hingegen wohl eine weitere Rally starten.

dowj sundp500

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Letztes Update am: 19. Nov 2015 @ 22:25

    • Donnerstag, 21:45 Uhr
    • Emotionen wegen der Terrorgefahr… tja, nicht in einer Liquiditäts-getriebenen Börse. Der Markt legte am Montag mit dem Test des Supports bei 10.500 (vorbörslich noch deutlich tiefer) eine Bärenfalle aus, die es so richtig in sich hatte. Heute wurde der GD200 und der große Abwärtstrend auf der Oberseite durchbrochen, allerdings fehlte danach die Dynamik und man musste den Ausbruchversuch abbrechen. Morgen folgt mit dem Kleinen Verfall eine weitere Möglichkeit den Widerstand zu knacken, aber es bleibt anzumerken, dass eben genau diese Verfallstermine oft zu Fehlsignalen neigen. Auch diesmal? Oder gelingt der große Durchbruch?
    • Fundamental kann man diese “Terror”-Rally nur schwer nachvollziehen. Eine ganze Reihe von Frühindikatoren haben in dieser Woche Mehrjahrestiefs ausgebildet. Der Baltic Dry Index, einer der wenigen wirklich realen Frühindikatoren, steht sogar am Rekordtief(!). Zusätzlich flammt das Thema Terror und IS wieder stark auf. Und die FED? Sie wird im Dezember die Zinsen erhöhen und den Dollar weiter steigen lassen, weil eben Mr. Moneymaker Draghi genau das Gegenteil macht und das Geld weiter in den Markt pumpt. Der Euro wird weiter fallen – und den DAX stützen – und der Dollar steigen und den US-Export belasten. Viel härter wird es jedoch die Emerging Markets erwischen, die ihre Schuldenlast in Dollar aufgenommen haben. Eine weitere Aufwertung dürfte die jetzt schon viel zu hohe Schuldenlast unerträglich werden lassen. Das große Thema China und Japan, welches sich nun wieder in der Rezession befindet, soll nur mal so am Rande erwähnt bleiben. Sorgenfalten an allen Ecken und Kanten, aber der Markt stellt auf stur und möchte die Phase des billigen Geldes und den Jahresabschluss mit Scheuklappen verbringen. Das wird und kann nicht von Dauer sein, aber wenn die Bullen Glück haben, können sie die Zeit bis Januar noch überwinden. Der Tag morgen könnte dafür einen wichtigen Grundstein legen. Klappt der Ausbruch auf Wochenschlussbasis, oder haben die extrem optimistischen Bullen in dieser Marktlage doch noch so etwas wie Zurückhaltung?
    • Dow Jones und S&P500 stehen im übrigen weiterhin im einjährigen Rounding-Top. Beim DAX könnte man durch den Verfall des Euro und weitere geldpolitische Maßnahmen noch eher auf einen Ausbruch setzen, aber warum sollte der US-Markt diese große Formation nach oben auflösen? Dort wird der Dollar stark und die Geldpolitik defensiver. Es gibt de facto gar keinen Grund… Die Märkte in Europa und den USA könnten in gegensätzliche Richtungen wollen. Auch das wird nicht funktionieren.

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