Wir stehen vor der letzten richtig spannenden Woche in diesem Jahr und sie hätte sogar das Zeug, die Woche des Jahres zu werden! Am Donnerstag wird die EZB erneut ihre nächsten Schritte im Kampf gegen die nicht vorhandene Deflation erörtern und die Meinungen gehen im Vorfeld bereits stark auseinander. Im Gegensatz zum Beginn des QE-Programms ist die Ausgangslage diesmal anders und die Auswirkungen könnten extremer werden.

Was ist diesmal anders?

  • Der DAX steht nicht am AZH. Der Euro ist bereits extrem gefallen und der Dollar hat sich stark verteuert.
  • Die Krisenherde der Welt haben sich verschärft. Ebenso sind die wirtschaftlichen Aussichten stark mit Vorsicht zu genießen. Viele Frühindikatoren stehen an historischen Tiefpunkten.
  • Die FED hat ihr QE bereits beendet und steht vor einer ersten Zinserhöhung. FED & EZB laufen somit nicht mehr im Gleichschritt, sondern ziehen in gegensätzlichen Richtung und konkurrieren so nun indirekt.
  • Es droht eine wirtschaftliche Krise in China und in vielen Schwellenländern, wenn der Dollar noch weiter aufgewertet wird. Die EZB hatte vor diesem Szenario in der vergangenen Woche paradoxerweise sogar gewarnt.

Warum sollte Draghi reagieren? 

  • Das ist die gute Frage! Ich persönlich sehe es wie EZB-Ratsmitglied und Bundesbank-Chef Jens Weidmann, welcher keinen Grund sieht auf einen Dorfspatzen geldpolitische Atombomben abzuschießen. Viel mehr sollte man die Gefahren sehen, die von einer solchen Attacke und Aktionismus danach ausgehen. Die Inflation hatte sich in der Vergangenheit stabilisiert (obwohl Rohstoffe extrem günstig sind) und die Kreditvergabe ist angezogen. Der Euro ist nahe der Parität, was Draghi freuen wird, da jedes seiner Worte genau auf diesem Zweck abzielen, obwohl die eigentliche Politik der Notenbank auf Währungsstabilität beruht.
  • Draghi müsste von der Faktenlage also eher nicht reagieren! Zusätzlich kommt der wahrscheinliche Zinsschritt der FED hinzu, welcher den Euro weiter belasten wird. Eigentlich direkte Unterstützung für Draghi seinen Kurs und einer weiterer Grund nicht in Aktionismus zu verfallen.
  • Auf der anderen Seite hatte Draghi nun kein Mikrofon ausgelassen, um seine Handlungsbereitschaft zu betonen. Er wird nun schlichtweg etwas liefern müssen… Die Frage ist was und ob der Markt dies positiv aufnehmen wird. Strafzinsen, Negativzinsen, Ausweitung QE, Verlängerung QE etc… Es gibt viele Möglichkeiten, wobei die meisten nur kosmetischer Natur sind.

Die Gefahren wachsen!

  • Es stellt sich in der Tat die Frage, ob Draghi nun wirklich in Aktionismus verfallen wird, da die Gefahren dieser Politik stark angestiegen sind und selbst die EZB vor einer solchen Verschärfung warnt! Wird er trotzdem in diese Kerbe mit aller Macht schlagen?! Der Euro könnte auf Talfahrt gehen und der Dollar auf Rekordhoch. Viele Schwellenländer werden Probleme bekommen ihre Dollarschulden mit doppelter Last zu begleichen. Die US-Exportwirtschaft wird auch den US-Markt belasten und FED-Chefin Yellen würde sich vielleicht sogar direkt von Draghi attackiert fühlen, denn eine weitere Aufwertung im Dollar wird sie verhindern müssen. Dafür müsste sie vielleicht sogar die Zinswende verschieben, aber damit gleichzeitig ihren Worten keine Taten folgen lassen. Durchaus fatal für eine Notenbank-Chefin… Draghi würden Yellen in Bredouille bringen.
  • Es wird auch ein interessantes Bild zwischen den Märkten entstehen. Die Schwellenländer, welche jedoch noch wenig beachtet werden, werden unter Druck geraten, aber eben auch der US-Markt, welche die letzte Aufwärtsbewegung im DAX schon nicht mehr nachgebildet hat. Eine FED auf dem Weg zurück zur “Normalität” und ein Kamikaze-Draghi laufen wahrlich nicht mehr im Gleichschritt, sondern ziehen in unterschiedliche Richtungen. Der US-Markt wird belastet und der DAX könnte Freudensprünge auslösen, aber wird sich der DAX wirklich nachhaltig vom US-Markt abkapseln? Das wäre eine historische Entwicklung und darf durchaus angezweifelt werden.
  • Die vielen (wirtschaftlichen) Risiken in der Welt bleiben natürlich ebenso bestehen und werden bald um Gehör bitten. Die Lage in China weiß aktuell niemand seriös einzuschätzen. Die offiziellen Daten, die kaum jemand vertraut, deuten Monat für Monat weitere Schwäche an. Die Frühindikatoren und die Rohstoffpreise sprechen eher für ein deutlich düsteres Bild. Freitag gab es einen kleinen Crash im Reich der Mitte. Entsteht eine neue Abwärtswelle, oder kann die Regierung den Markt abermals “abfedern”? Am Dienstag folgen dort neue Daten aus der Wirtschaft und könnten einen wichtigen Impuls liefern. In China wird die gigantische Blase am Geldmarkt und auch am Immobilienmarkt platzen. Die aktuellen Maßnahmen der Partei verzögert nur diese Implosion, aber vergrößern im gleichen Zug noch die Blase. Wahrlich ein Pulverfass!
  • Sollte Draghi in der Tat zum Kamikaze-Draghi mutieren, werden die Gold-Fans wohl auch noch ganz stark sein müssen. Es würde wohl ein deutlicher Sturz unter die runde Marke von 1.000 drohen.

Neben der EZB-Ratssitzung und den Daten aus China wird sich noch Yellen vorm US-Kongress erklären. Am Freitag folgen zudem Jobdaten aus den USA, die weitere Hinweise auf den Zinsschritt der FED liefern werden.

Charttechnisch konnte sich der DAX in einer sehr umsatzschwachen Woche bullisch absetzen und könnte nun mit der EZB die 12.000 in Angriff nehmen. Es bleiben die vielen Divergenzen, die im Freudentaumel ins Jahresende hinein vielleicht noch in Trunkenheit übersehen werden. Der Kater danach dürfte dafür umso schlimmer sein.

Im Gegensatz zum QE-Beginn läuft der DAX auch nicht mehr wie an der Schnur gezogen nach oben, sondern zittert sich in Fieberkurven mit Fehlausbrüchen Stück für Stück hoch. Es ist viel Unsicherheit in den Markt gedrungen und die innere Stärke im Markt ist auf der Strecke geblieben. Die EZB wird dies vielleicht kurzfristig überdecken können, aber für Abhilfe werden wohl nur fundamentale Fakten sorgen können.

Kurzum: Die neue Woche bietet eine ganze Reihe von Unsicherheitsfaktoren, die eine große Spanne im DAX ermöglichen. Vor allem durch die EZB. Charttechnisch, dank EZB und auch durch die Saisonalität haben die Bullen den deutlich größeren Vorteil. Allerdings steigern sich von Tag zu Tag die Divergenzen. Der DAX konnte nach seiner starken Korrektur in den letzten 2 Monaten 19% zulegen. Interessant ist auch, dass die Gründe für die Korrektur bzw. heftigen Absturz sich nicht plötzlich in Luft aufgelöst haben, sondern sich in den vergangenen Wochen sogar verstärkt haben. Kurios, aber aktuell zählt eben nur noch die Liquidität.

Allgemeiner Hinweis:

Die aktuellsten Infos gibt es in den Trading-Gruppen (Live-TradingMarktgeflüsterNewsticker). Volle Einsicht erhalten aber nur registrierte Mitglieder der Seite. Hier kostenlos anmelden.

Sämtliche Bereiche und Funktionen (Bsp: E-Mail Service) stehen zu 100% kostenlos zur Verfügung. Bitte beachtet daher auch die Werbepartner. Danke. 🙂

Lasst Profis für euch traden: Social Trading

Letztes Update am: 3. Dez 2015 @ 18:59

    • Montag, 09:30 Uhr
    • Zum Wochenstart eine kleine Chartshow. Kurzfristig hängt der DAX in einem Dreieck. Die Oberseite verläuft aktuell um .400. Ein Rücksetzer zur Ausbruchzone um .150 wäre noch offen und wohl auch sauber. Von dort könnte der DAX bereits einen neuen Anlauf starten. Darunter könnte die Konsolidierung vor der EZB nochmal ausgedehnt werden.

dax dax5 dax60 sp500

  • Dienstag, 19:30 Uhr:
  • Der heutige Tag war recht symptomatisch für den Notenbank-Markt. Gute Daten aus Deutschland und Europa und zugleich schwächere Daten aus den USA sorgten beim DAX für einen Schwächeanfall und beim US-Markt für eine kleine Erholung. Der Grund sind natürlich abermals aufflammende Notenbankhoffnungen und Veränderungen bei den Devisen. Der Euro ging etwas hoch, der Dollar etwas runter… So “logisch” funktioniert aktuell der Markt. 😉
  • Der DAX ist an der .250 unterstützt und nachfolgend an der .160. Der GD200 verläuft bei knapp .100. Wohl der maximale bärische Anlaufpunkt bis zur Ratssitzung am Donnerstag, wenn die Nachrichtenlage stabil bleibt.
  • Morgen folgen erste Job-Daten aus den USA und die Inflationsrate für die Euro-Zone. Beides wichtige Hinweise für die FED & die EZB.

dax60 sp

  • Mittwoch, 18:10 Uhr
  • Vor der EZB-Ratssitzung und der Yellen-Rede waren die Marktteilnehmer nervös und vorsichtig unterwegs. Es könnte für die Bullen-Fans der letzte mögliche Einstiegspunkt vorm positiven Jahresabschluss darstellen. Schließlich wird Draghi morgen irgendetwas liefern müssen und mit positiver Saisonalität, besteht durchaus die Chance, dass die Marktteilnehmer jedes Geschenk “feiern” werden, obwohl es viele besorgniserregende Divergenzen gibt. Dunkle Gedanken möchte man vor Weihnachten und zum Abschluss, wo viele Big-Player nochmal Rendite erzielen müssen, sicherlich noch nicht in den Vordergrund rücken.
  • Der US-Markt ging heute nochmal nach oben; der DAX nach unten. Baut der US-Markt Sicherheitabstand auf und holt der DAX nur Anlauf? Gut möglich! Die Bewegung würde einfach zu gut passen…
  • Auf der Unterseite hätte der DAX unterhalb der .250 nun eigentlich noch etwas Luft für einen Rücksetzer. Ziele wären bei .150, der GD200 bei .100 und auch noch die .050. Kommt noch der Spike nach unten?

dax dax2 dax60

  • Donnerstag, 19 Uhr
  • Was für ein Tag! Mario Draghi hatte viel, viel angekündigt und liefert am Ende fast nichts! Zeitlich wird das QE minimal verlängert – im Volumen jedoch nicht! Die Märkte wurden durch die Notenbanken auf Drogen Namens Liquidität gesetzt und müssen nun mit den Entzugserscheinungen leben!
  • Der Euro legt den schärfsten Anstieg seit 2011 hin und hört anscheinend gar nicht mehr Mr. Draghi! Wo ist die Parität? Der DAX bewegte sich in einer Volatilität von fast 700 Punkten und steht aktuell wieder nah am äußerst wichtigen Support von 10.500. Dabei hatten nicht wenige heute schon von der 12.000 in dieser Woche geträumt.
  • Die Notenbanken waren in den vergangenen Wochen die letzten wirklich starken Kurstreiber und genau das scheint sich so langsam zu rächen. Man wird wohl mühe haben einen halbwegs vernünftigen bzw. ruhigen Jahresausklang hinzubekommen. Die Vorboten für 2016 sind aktuell leider alles andere beruhigend…
  • Beim DAX wartet vor der 10.500 noch die 10.600, wo u.a. der GD100 verläuft. In diesem Bereich könnte eine Stabilisierung in den Jahresabschluss beginnen.

dax dax60

 

 

Du magst diesen kostenlosen Content & möchtest die Arbeit auf der Seite wertschätzen? Dann unterstütze Trading-Portal.NET auf Patreon!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.