Die vergangenen Börsentage waren erneut durch eine hohe Volatilität geprägt, aber der Markt bewegte sich auf Wochensicht doch in einer zu erwartenden Richtung und Handelsbreite. Ich hatte beim Ausblick vor 2 Wochen die gute Chance für eine starke Gegenbewegung – eine Bärenmarktrally – gesehen, welche bis an die 10.000 reichen könnte. Von diesem Kursziel bin ich jedoch in der vergangenen Woche bereits abgerückt, als zunehmend bärische Divergenzen den Markt kennzeichneten. Diese Auffälligkeiten haben sich in meinen Augen in dieser Woche weiter verschärft – ja, sogar bedrohlich verschärft. Ich weiß, dass ich mich mit dieser Haltung, speziell auch an den letzten Börsentagen, klar in der Minderheit befinde und viele eher einen Boden und Ausbruch nach oben vermuten. In diesem Wochenausblick möchte ich euch meine Haltung gerne genauer erläutern. Es besteht durchaus die reale Gefahr, dass wir am Freitag einen perfekten Short-Einstiegspunkt gesehen haben und uns bald ein weiterer sehr scharfer Abverkauf am Markt droht!

Doch schauen wir wie jede Woche zu den Chartbildern. Wir beginnen mit dem “Big-Picture” und zoomen dann langsam in die Bilder hinein.

Im DAX-Monatschart gab es zur Vorwoche so gut wie gar keine Veränderungen, schließlich gab es auf Wochensicht nahezu einen Schlusskurs auf Vorwochenniveau. Interessant ist der Aspekt, dass wir am Montag die Monatskerze fertig ausbilden werden. Momentan ist die Kerze bullisch zu werten, da wir uns vom Support 8.700 wieder weiter entfernen konnten. Die Bären könnten und sollten demnach am besten am Montag schon Zähne zeigen und den DAX etwas zurückdrücken. Der Montag kann somit abermals bereits der wichtige Handelstag der Woche werden. Der Blick ins Crashjahr 2008 zeigt uns aber auch, dass dort mehrfach eine Monatskerze mit “Hammer” ausgebildet wurde, aber fast immer weitere scharfe Abverkäufe folgten.

daxmonat

Im DAX-Wochenchart sehen wir auch in dieser Woche, dass man im kurzfristigen Handeln nie das übergeordnete Bild vergessen sollte. Aufgrund des Wochencharts hatte ich bereits zu Beginn der Woche angedeutet, dass wir uns vermutlich zwischen 23,6-er Retracement und GD200 bewegen werden. Der Schlusskurs sollte möglichst stabil mit kleinem Kerzenkörper ausgebildet werden. Im Chart erkennt ihr sehr gut, dass diese Marken nahezu punktgenau abgearbeitet wurden und auch der Schlusskurs passte ins Bild. Mit etwas gutem Willen könnte man in diesem Jahr in der Abfolge der Kerzen ein Muster erkennen, welches mit der letzten Wochenkerze als Gipfel eine Fortsetzung finden könnte.

Eingezeichnet bleibt auch ein größerer Abwärtstrendkanal, welcher auf der Oberseite Platz bis weit über die 10.000-er Marke hätte. In Kombination mit den anderen Chartbildern ist dieses Szenario nicht mein Favorit, aber sollte als absolut bullische Variante trotzdem Erwähnung finden. Im bärisches Idealfall wird in der neuen Woche kein neues Hoch mehr ausgebildet und der Beginn eines stärkeren Abverkaufs könnte eingeleitet werden. Das 23,6-er Retracement knapp unter der 9.600 wäre ein erster Widerstand. Darüber folgt die 9.730 und die Zone 9.900/10.000, welche eine erste Schlüsselmarke für die Bullen darstellt. Auf der Unterseite wartet bei 9.140 der GD200 und bei knapp 8.900 bereits erneut die Unterkante des 9-jährigen Dreiecks. Die Bullen hätten die Chance in diesem Bereich einen Doppelboden auszubilden bzw. dies zumindest zu versuchen. Hat das Muster im Wochenchart Bestand, muss jedoch auch ein Bruch in Richtung 8.300 einkalkuliert werden bzw. wäre dies sogar die “saubere” Variante.

daxwoche

Anbei folgt natürlich noch der DAX-Tageschart und der 60-Minutenchart als untergeordnete Zeitebene. Im Tageschart erkennen wir die hohe Volatilität der vergangenen Woche, welche wahrlich nicht für einen gefestigten Markt spricht, sondern die hohe Unsicherheit der Anleger wiederspiegelt. Die Dynamik nach oben findet stets keine Anschlusskäufer, aber ein weiterer Abverkauf wurde bisher auch verhindert, was mit Blick zum übergestellten Wochenchart, aber eben durchaus zu erwarten war. Sehr interessant ist auch die Volumenentwicklung der vergangenen Woche. Diese Woche mit dem Hochpunkt im DAX wurde mit dem geringsten Volumen im Jahr begleitet. Die gerissenen Gaps wurden durch das geringste Tagesvolumen im Jahr getragen. Die viel heraufbeschworenen Ausbruchlücken sollte eigentlich durch das höchste und nicht kleinste Volumen untermauert werden. Der Anstieg im DAX steht somit in starker Divergenz zur Volumenentwicklung – er wurde bisher nicht durch große Käufer getragen und gestützt!

Es fehlt mir für eine bullische Umkehr ebenso eine ordentliche Umkehrformation, welche vielleicht durch einen Doppelboden bei Gap-Close knapp unter 9.000 erreicht werden könnte. Momentan sprechen die meisten Signale aber eher für einen weiteren Tiefpunkt in Richtung 8.300. Auf der Oberseite bildet das vergangene Wochenhoch knapp unterhalb der 9.600 den ersten Widerstand. Direkt darüber wäre um 9.730 bereits ein weiteres Retracement als Widerstand zu nennen. Ein nachhaltiger Rückfall unter die 9.250/.300 getragen durch ein zunehmendes Volumen wäre als großes Warnsignal zu betrachten. Unterhalb der 8.900 folgt das Jahrestief bei 8.700 und darunter der Abverkauf zur 8.300. Die Bullen könnten einen ersten Sieg feiern, wenn sie die 9.900/10.000 zurückerobern.

dax

Der 60-Minutenchart zeigt aktuell ein fallendes inverses Dreieck, welches sehr gerne auch bärisch aufgelöst wird. Mit gutem Willen könnte man eine iSKS Umkehrformation in den DAX hineininterpretieren, allerdings hätte speziell die rechte Schulter durch mehr Dynamik und Kraft/ Volumen begleitet werden müssen. Es steht auf Jahressicht jedoch auf Rekordtief. Die Bullen hätten die Chance bei einem Rücksetzer unter die 9.000 auf einen Doppelboden zu hoffen, aber wie bereits erwähnt, werden diese Dreiecksformationen ungern bullisch aufgelöst. Die unsichere längere Seitwärtsbewegung nach dem Jahrestief gefällt mir ebenso nicht und ist als Warnsignal zu verstehen. Bei knapp 9.730 verläuft die Oberseite des Dreiecks und bildet einen Widerstand mit dem Retracement im Tageschart. dax60

Besonders interessant ist in dieser Woche der Blick zum US-Markt (im Chart: Dow Jones, Nasdaq100, S&P500). Wir bilden dort seit Monaten ein sehr großes Rounding-Top aus, welches als einer der nachhaltigsten Umkehrformationen anzusehen ist und untergeordnet eine große SKS-Formation (Schulter-Kopf-Schulter). Speziell die SKS-Formation war zuletzt mit Fragezeichen versehen, da sie augenscheinlich in der rechten Schulter einen Doppelboden ausgebildet hat, welcher ohne Hochpunkt als eher atypisch für einen SKS-Abschluss zu deuten wäre. In den vergangenen Handelswoche hat sich dieses Bild nun sehr interessant verändert – in Richtung brandgefährlich!

Ein sauberer Doppelboden wird fast immer sehr dynamisch und mit hohem Volumen nach oben aufgelöst und aktiviert. Unser Doppelboden wurde eine ganze Woche auf der Oberseite – teils mit Fehlausbrüchen – angetestet, bis doch ein “Ausbruch” erfolgte. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang erneut die Volumenentwicklung, welchen mit dem zaghaften Kursanstieg stetig abgenommen hat. Am Hochpunkt gab es sogar das niedrigste Tagesvolumen im Jahr. Diese Divergenz passt so gar nicht zu einer Aktivierung dieser Formation, daher stellte sich die Frage, ob sich untergeordnet nicht doch eine andere Formation in den Vordergrund rückt. Im 60-Minutenchart können wir so auch ein steigendes Dreieck erkennen, welches bärisch einzustufen ist und wozu die abnehmende Volumenentwicklung sehr gut passen würde. Das steigende Dreieck könnte somit als Steigleiter für die übergeordnete SKS-Formation dienen, um einen signifikanten Hochpunkt zu setzen und die rechte Schulter so sauber abzuschließen. Das niedrigste Wochenvolumen des Jahres im Anstieg der rechten Schulter würde auch sehr gut zu einer sauberen SKS-Formation passen – ganz im Gegensatz zum – vielleicht zu offensichtlichen – Doppelboden, welcher am Ende wohl möglich nur ein kleines bärisches Täuschungsmanöver darstellte. Auch hier kann der Montag bereits entscheidend sein. Interessant ist auch der Blick zum RSI, welcher auf einem Niveau steht, welches seit November die obere Begrenzung bildet. Im Idealfall haben wir am Freitag bereits das Verlaufshoch gesehen, welches wir für einige Monate auch nicht mehr anlaufen dürften. Das angesprochene Bild passt zum S&P500, Dow Jones und Nasdaq. Die drei großen US-Chartbilder im Gleichschritt!

Und selbst, wenn wir noch nicht den Hochpunkt gesehen haben, so warten bereits sehr große Widerstände im US-Markt. Im Dow Jones ist die Zone 17.000/.300 sehr stark bärisch gesichert. Es ist sehr fraglich, welcher Impuls diesen starken bullischen Durchbruch schaffen kann. Die weltweiten Sorgen, die zum ersten Abrutsch der Märkte gesorgt hatten, sind in der Vergangenheit nicht kleiner geworden, sondern eher größer. Vielleicht haben wir in der vergangenen Woche bereits den perfekten Short-Einstieg in den US-Markt gesehen.

dow nasdaq sp

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein paar Chartbilder für den Blick in den Intermarket anbieten. Den Shanghai Composite Index aus China im Tages- und Wochenchart, wo übergeordnet noch kein Boden gefunden ist und der Abverkauf in der vergangenen Woche vielleicht ein neues Warnsignal darstellte.

shanghaitag shanghaiwoche

Das Öl war zuletzt eines der fragwürdigen bullischen Antreiber im Markt. Man muss beim Blick zum Chart, die Frage stellen, ob so ein tragfähiger Boden nach einem Rutsch von über 100 $ auf unter 30 $ aussehen kann? Oder sehen wir nur eine Zwischenkonsolidierung im Dreieck?

öl

Die Krisenwährung Gold konsolidierte zuletzt nach bullischem Ausbruch sehr hoch und könnte auf diesem Niveau einen weiteren starken bullischen Angriff starten. Vielleicht auch ein Warnsignal für die Märkte…

In der neuen Woche rücken am Montag und Dienstag wieder Daten aus Asien (Japan und China) in den Fokus. Auch die EZB-Ratssitzung im März sollte langsam Beachtung erhalten.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche!

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Letztes Update am: 2. Mrz 2016 @ 21:15

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  • Der Wochenstart hat gesessen! Abermals schlechtere Daten aus #China und #Japan, sowie eine wieder niedrige #Inflation – jetzt #Deflation – im Euroraum, wurden zum Anlass genommen, um eine kleine Hoffnungsrally zu starten. Die Hoffnung, dass die #EZB und Mr- #Draghi nochmals eingreift. Dabei stehen gerade die #Notenbanken vor dem Scheitern ihrer #Politik. Die #Kreditvergabe bleibt mau – im Gegenteil: die #Banken kommen durch #Negativzins zunehmend unter Druck, die Inflationserwartungen bewegen sich ständig in die andere falsche Richtung, die Wirtschaftsdaten trüben sich ein und hellen sich nicht auf. Zusätzlich konnte es Draghi zuletzt nicht mehr schaffen, den #Euro weiter in Richtung #Parität zu drücken – er erholte sich sogar. Wie möchte Draghi seine Politik nächste Woche Donnerstag schönreden? Glaubt der Markt noch an seine Handlungsfähigkeit? Im vergangenen Dezember gab es nach der EZB-Ratssitzung einen #Flashcrash um 600 Punkte innerhalb weniger Stunden. Diese Gefahr besteht durchaus auch diesmal.
    Aber was tun bis zur nächsten Woche? Der Faktor #Notenbank ist nicht zu unterschätzen und es wäre ratsam bis zum Donnerstag nur mit kleinen Paketen am #Markt zu hantieren. Der #DAX konnte gestern seinen Abwärtstrend von Dezember verletzten, steht aber weiterhin unter dem Zwischenhoch vom Januar und der letzten Monatskerze. Wichtige obere Ziele wären die 9.850 und das Zwischenhoch bei 9.920. Auf der Unterseite wäre ein #Rücksetzer in Richtung 9.600 auch noch als #Long-#Trigger möglich. Bis zur EZB wäre auch ein #Spike in Richtung 10.100 denkbar, aber stets Vorsicht auf diesem Niveau. Die Gründe für den #Absturz der vergangenen Wochen sind kleiner geworden, sondern größer! Hoffnungen auf noch stärkere Maßnahmen der Notenbanken könnten sich als das Öl im Feuer erweisen und werden auch keine positiven Veränderungen mit sich bringen (siehe Japan). Seit dem Hoch von 11.400 konnte der Markt sich um knapp 40% erholen. Das ist ein absolut normaler Wert und stellt keinesfalls gleich eine #Trendwende dar. Der Blick zum US-Markt ist auch sehr bedenklich. Dort stehen #DowJones und #SP500 bereits vor ganz großen #Widerständen. Der #GD100, #GD200 und das 1,5 jährige #RoundingTop sind zum greifen. Warum soll man dort jetzt durchbrechen und warum tat man es nicht vor einem halben oder ganzen Jahr, wo die #FED noch eine lockere Politik betrieb und die weltweiten Wirtschaftsprognosen nicht monatlich abgerauscht sind? Das Volumen in der Aufwärtsbewegung ist bisher auffällig niedrig – große Käufer sind noch nicht am Markt!
    Vorsicht bis zum Donnerstag in einer Woche! Der Markt träumt von der EZB und dieser Traum kann durchaus wunderschön ausgemalt werden, aber der Wecker ist bereits gestellt.
    Bleibt bis dahin vorsichtig am Markt.
    Never fight the FED äääh. EZB. 😉
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