Wir beenden eine Börsenwoche, die zumindest für den DAX kaum Veränderungen brachte. Gespickt wurde diese Woche erneut von einer Reihe schwacher Daten aus der Wirtschaft und einer arg durchwachsenen Berichtssaison mit auffällig vielen Gewinnwarnungen. Daher ist es fast überraschend, dass sich unser Leitindex überhaupt so gut halten konnte. Ein Fakt ist sicherlich die Saisonalität (wir befinden uns in einem durchaus starken Börsenmonat) getrieben von einer diffusen Zinsfantasie der Notenbanken. Dabei ist es erst wenige Wochen her, als die FED mit ihrer Entscheidung die Zinsen noch nicht anzuheben die Märkte auf Tauchstation geschickt hat. Der Markt urteilte damals u.a. auch die Unentschlossenheit der FED ab. Und heute? Heute wird diese Verschiebung und die gleiche Unentschlossenheit gefeiert. So kurios kann Börse sein. 😉 Ein ähnliches Bild gibt die EZB im übrigen auch ab. Nowotny äußerte sich kritisch zur Inflationsrate und der Markt dankt mit Zinsträumerein. Coeure und Weidmann äußerten sich hingegen kritisch zu einer Ausweitung des QE-Programms und der Markt ignorierte es. Beide Notenbanken zeigen sich klar unsicher in ihrem Handeln, denn der jahrelange geldpolitische Spezialfall zeigt bisher keine Wirkung. Weder bei der Inflationsrate noch beim Wirtschaftswachstum. Ich hatte zu diesem Thema beim letzten Ausblick schon einiges geschrieben und möchte es dabei auch belassen. Fakt ist jedoch, dass der aktuelle Anstieg auf einem fragwürdigem Fundament steht, was der Markt durch die stets fehlenden Anschlusskäufer aber durchaus schon aufzeigt. Die schwache Berichtssaison und die Wirtschaftsdaten konnten die Bullen jedoch nicht aus ihrem starken Monat drängen. In der neuen Wochen stehen nun 2 Termine auf dem Plan, die dies durchaus vollbringen könnten. Am Donnerstag der EZB-Zinsentscheid mit PK (gibt Draghi konkrete Hinweise auf Ausweitung QE?) und einen Termin noch vor Börsenbeginn in Europa: Das aktuelle Q3 BIP, die Industrieproduktion und der Einzelhandelsumsatz aus China. Die wohl wichtigsten Daten aus Fernost, welche jedoch in Hinblick auf ihre Richtigkeit oft auch kritisch beäugt werden. Ist eine Stabilisierung oder gar eine Gegenbewegung erkennbar? Oder droht eine Beschleunigung nach unten? Die Prognosen gehen von einer weiteren leichten Eintrübung aus. Der Markt  wird diese Daten jedenfalls nicht ignorieren.

Der erneut kurze Blick zum Shanghai Composite Index im Wochenchart zeigt auf, dass der Index durchaus weitere Ziele auf der Unterseite offen hat. Der RSI würde gerne von unten die 50 kreuzen, aber dieses Szenario wird nur mit einer positiven neuen Woche möglich. Auch der Index hat aktuell wieder ein Erholungsniveau erreicht, wo bei den letzten beiden Versuchen stets ein großer Abverkauf folgte. Man möchte meinen der Shanghai Composite Index hat sich direkt für den Termin am Montag positioniert.

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Schauen wir nun zum DAX und beginnen wie immer mit dem Monatschart, welcher sich zur letzten Woche kaum verändert hat. Das mittlere Bollingerband bei .270 wurde weiterhin nicht voll angetestet. Die Indikatoren stehen ebenso im roten Bereich, allerdings weist die aktuelle Monatskerze einen leicht höheren Tiefpunkt als im September auf. Eine ausgedehntere Zwischenkonsolidierung bleibt damit möglich, wo der RSI die 50 von unten antesten könnte und der DAX seine blaue Dreiecksbegrenzung. Eine ähnliche Bewegung gab es beispielsweise Mitte 2008. Der DAX bräuchte für dieses Szenario aber wahrscheinlich auch mal Rückendeckung aus der Berichtssaison, oder eben auch aus China. Erst oberhalb der 10.500 hellt sich das Bild im Monatschart langsam auf.

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Zoomen wir nun wieder in den Wochenchart, wo wir natürlich sofort erkennen, dass der DAX sich auf Wochensicht kaum bewegt hat. Der Schlusskurs war im Gegensatz zur Vorwoche nur geringfügig höher und dieser Fakt ist durchaus interessant, da die vergangene lange grüne Wochenkerze mit hohem Schlusskurs am GD100 durchaus bullisch ausgeprägt war. Eigentlich eine gute Vorlage für die Bullen, die jedoch nicht aufgegriffen werden konnte und selbst der sehr nahe GD100 konnte auf Schlusskursbasis nicht überwunden werden. In der vergangenen Woche habe ich die 9.900 als sehr wahrscheinliches Anlaufziel herausgegeben, welches nahezu punktgenau abgearbeitet wurde. In diesem Bereich verläuft u.a. eine ältere Trendlinie. Anschließend bewegte sich der DAX nur noch in enger Range zwischen Support und Widerstand und konnte keine weiteren Signale auslösen. Es bleibt auf Wochensicht jedoch auffällig, dass die Bullen ihre gute Steilvorlange nicht genutzt haben. Der MACD hatte bereits in der vergangenen Woche gekreuzt (bullisch), allerdings wurde dieses Signal vom RSI noch nicht bestätigt, aber genau das hätte in dieser Woche passieren können – passierte jedoch nicht. RSI und MACD weisen somit aktuell eine Divergenz auf, die ein Warnhinweis für die Bullen sein könnte. Es fehlt klar an Kraft in der Bewegung und wirklich wichtige & entscheidende Widerstände sind noch weit entfernt. Im Wochenchart deutet sich erst im Bereich 10.500/.750 eine Verbesserung für die Bullen an. Alle Bewegungen darunter bleiben mit bärischen Vorteil! Oberhalb des letzten Wochenhochs ist ein Test des Bereichs um 10.500 aber durchaus noch möglich. Erst recht, wenn man am Donnerstag die EZB-Ratssitzung im Hinterkopf behält, wo es gerne Ausschläge nach oben gibt, die in den letzten Monaten oft ein Zwischenhoch darstellten. Allerdings sollten für dieses Szenario die Zahlen am Montag Morgen aus China positiv aufgenommen werden. Die aktuelle kleine Wochenkerze könnte nämlich genauso gut einen Deckel darstellen, welcher bei negativen Daten der Ausgangspunkt für eine größere Abwärtswelle bildet. Der Markt hat sich für beide Szenarien positioniert, allerdings hätten die Bullen einen noch deutlich steinigeren Weg vor sich.

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Im Tageschart hat sich hingegen nur wenig getan. Der DAX konnte den Support bei 9.900 anlaufen und halten. Widerstände auf der Oberseite konnten ebenso nicht herausgenommen werden. Bei der Konsoliderung in Richtung 9.900 konnte der RSI die 50 nicht schneiden, allerdings fehlte im Anschluss erneut die Dynamik nach oben, obwohl der Abpraller und die folgende Kerze durchaus eine bullische Steilvorlage bildete. Durch diese erneute Seitwärtsbewegung wurde der atypische Doppelboden weiter abgeschwächt. Am Ende schloss der DAX auch unterhalb der Montagskerze. Im Xetra-DAX stehen der Montag und der Freitag nun auffällig mit Doji im Raum. Auch hier scheint sich der DAX zu positionieren, denn dieses Bild würde eine bärische Umkehr mit Doppeltop bei tiefem Start klar begünstigen. Bei einer positiven Überraschung hingegen wäre es durch einen hohen Start in den Widerstandsbereich hinein schnell für die Bullen gedreht. Oberhalb der .230 würden Marken um die .340 und darauf knapp die .500 in den Fokus rücken.

Der Montag wird somit eine entscheidende Rolle spielen. Eine Entscheidung, ob die Bären wieder direkt übernehmen, oder ob die Konsolidierung (wie im Wochenchart bereits angedeutet) noch ausgedehnt werden kann. Ein wirklich bullischer Durchbruch ist aber auch im Tageschart noch weit entfernt. Der Bereich zwischen 10.500/.750 ist als wichtigster Widerstandsbereich anzusehen. Aber selbst der GD200 oberhalb der 11.000 könnte noch als bärische Umkehr dienen.

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Im Anschluss noch kurz der Blick zum Dow Jones, wo es in der Summe auch keine großen Veränderungen gab. Man hat sich etwas an den Widerstandsbereich heran bewegt und steht mittlerweile nah am GD100 im Tageschart und am mittleren Bollinger im Wochenchart. Kurzfristig wären auch noch weitere 100 Punkte nach oben möglich und erst dann könnte den Bullen ein erster Durchbruch gelingen. Auf aktuellem Niveau kann jederzeit ein scharfer Rücksetzer die Folge sein. Der Anstieg der letzten 2 Wochen wurde bisher fundamental nicht gestützt.

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Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche!

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Letztes Update am: 18. Okt 2015 @ 12:56

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