Nach drei Wochen Sommerpause folgt nun wieder der erste Wochenausblick. Die Tagesanalysen als Text und Video werden ebenso wie gewohnt ab nächster Woche veröffentlicht. Der DAX steht seit meiner letzten Analyse gut 200 Punkte tiefer, aber er legte trotzdem teilweise einen wilden Ritt auf dem Börsenparkett hin. Schauen wir, ob sich im Chartbild damit etwas verändert hat oder sich nun größere Bewegungen andeuten.

Blicken wir kurz auf das große übergeordnete Bild…

Im DAX Quartalschart (jede Kerze stellt ein Quartal(!) dar; seit 1990) ist dieses besondere 1. Halbjahr 2020 an den letzten zwei Quartalskerzen sehr gut zu erkennen. Gut zu erkennen sind auch die beiden Bärenmärkte und größeren Rezessionen, die jedoch nicht so stark waren, wie der aktuelle wirtschaftliche Abschwung. Sehr auffällig ist hierbei auch der Faktor Zeit. Die nun laufende Marktphase steht erst im zweiten Quartal und trotzdem wurde fast wieder der Ausgangspunkt erreicht. Wurde im Rekordtempo wirklich alles bereits durchstanden? Bei den vorangegangenen Rezessionen dauerte dieser Prozess Jahre und nicht nur wenige Monate. Es wäre in der Börsenhistorie einmalig.

Die 11.6 stellt im Quartalschart einen ersten wichtigen Support dar. Oberhalb bleibt die Spanne zur 13.2 aktiv. Unterhalb könnte die Tür zur 10.3 wieder geöffnet werden. Ebenso interessant: Die letzten größeren Gipfelphasen umfassten mindestens immer zwei Quartale.

DAX Quartalschart
DAX Quartalschart

Das große DAX Chartbild (als Tageschart) der letzten 25 Jahre zeigt ein ganz ähnliches Bild. Zu sehen sind die letzten beiden großen Bärenmärkte und zum Vergleich die aktuelle eigentlich noch junge Bewegung/ Marktphase. Die Verbindungslinie der letzten beiden Korrekturen wurde verletzt, aber auf Monatsschlussbasis verteidigt. Die Rally wurde so ermöglicht und immer weiter befeuert. Ebenso gut zu erkennen, dass in der aktuellen Rezession die Dimension nach Ausprägung und Zeit im Vergleich zu den letzten beiden Abschwüngen stark abweichend ist. Konnten die Notenbanken an den Märkten wirklich erstmals eine (starke) Rezession ausradieren, oder steht diese Marktphase in der Tat noch am Anfang und die Heftigkeit der Bewegung bleibt uns noch viele Monate erhalten? Es wäre sehr ungewöhnlich, wenn das “Schlimmste” am Aktienmarkt wirklich schon komplett durchgestanden wäre.

Ebenso interessant: Seit 2015 wird der DAX am Allzeithoch stets heftig abverkauft.

DAX seit 25 Jahren
DAX seit 25 Jahren

Der Blick zum DAX Kursindex (Wochenchart), wo der Index im Sommer einen wichtigen Kombiwiderstand (sma200, Retracement, Trendlinien) erreicht und bisher nicht überwinden konnte. Ein nachhaltiger Abpraller könnte auch im kleinen Zeitfenster eine 10-Prozent-Korrekur ermöglichen.

DAX Kursindex auf interessantem Niveau
DAX Kursindex auf interessantem Niveau

Ergänzend dazu auch der Blick in die USA zum S&P500. Zu sehen als großer Quartalschart seit den 1990-er Jahren. Die Dimension der Anstiegsbewegung bis zur Dotcom-Bubble 2000 wäre um 3.500 nochmals exakt nachgebildet worden (10 Jahre Expansion – 10 Jahre Korrektur – 10 Jahre Expansion – Fortsetzung im Muster?).

Der S&P500 seit 1990. Die Dimensionen der jeweiligen Ausprägungen ähneln sich.
Der S&P500 seit 1990. Die Dimensionen der jeweiligen Ausprägungen ähneln sich.

Nachfolgend der Blick in den Nasdaq Monatschart seit 1990. Die nun eingesetzte scharfe Rezession führte gar zu einem Rücklauf über das Allzeithoch, d. h. der Nasdaq steht in der scharfen Rezession nun höher, als im Bullenmarkt, wo es noch solides Wirtschaftswachstum und eine sehr geringe Arbeitslosenquote gab. Die Rekordhausse wurde bei den Techs bisher noch nicht korrigiert.

Nasdaq Hausse ohne Korrektur
Nasdaq Hausse ohne Korrektur

Nachfolgend noch eine Gegenüberstellung von Nasdaq, S&P500 und DAX. Auffällig ist die starke Divergenz (größer als zur Dotcom-Bubble während der Jahrtausendwende) zu den Tech-Werten und dem “breiten Markt”. S&P500 und DAX notieren noch unter dem Allzeithoch.

Erwähnenswert wäre ebenso, dass die Divergenz Tech – Breite Markt im Verlauf der Dotcom-Bubble und später in der Finanzkrise wieder komplett abgebaut werden konnte. Diesmal alles unvorstellbar?

Divergenz: Tech zu Breitem Markt
Divergenz: Tech zu Breitem Markt

Der Blick in den Dow Jones Tageschart, wo die Hausse-Aufwärtstrendlinie von 2009 im Juni wieder übersprungen werden konnte. Anschließend folgte per Abwärtsgap jedoch der Weg zurück unter die Trendlinie. Seitdem hangelt sich der Dow als Keil an der Trendlinie entlang. Die Bullen brauchen den Sprung darüber.

Dow Jones und der 2009-er Hausse-Aufwärtstrend
Dow Jones und der 2009-er Hausse-Aufwärtstrend

Wichtige Wochentermine:

  • Montag:
    • Eurozone sentix-Konjunkturindex August
  • Dienstag:
    • BRD ZEW-Konjunkturerwartungen August
    • Eurozone ZEW-Konjunkturerwartungen August
    • GB Arbeitslosenquote Juni
    • USA Erzeugerpreise Juli
  • Mittwoch:
    • GB BIP Q2
    • Eurozone Industrieproduktion Juni
    • USA Verbraucherpreise Juli
  • Donnerstag:
    • USA Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe Vorwoche
    • USA Fortgesetzte Anträge auf Arbeitslosenhilfe Vorwoche
  • Freitag:
    • Eurozone BIP Q2 (1. Veröffentlichung)
    • USA Einzelhandelsumsatz Juli
    • USA Industrieproduktion Juli
    • USA Konsumklima Uni Michigan August

Charttechnische Betrachtung:

  • Der DAX oberhalb der 12.1 mit einer Range zur 13.2. Unterhalb steht die 11.6 im Fokus, welche beim Bruch die Tür zur 10.3 öffnen könnte. Oberhalb der 13.2 dürfte nach dem Gap-Close das Allzeithoch attackiert werden.
  • Nachfolgend der DAX vom großen ins kleine Bild analysiert.

Xetra-DAX Monatschart.
Der Blick zum übergeordneten Chartbild. Der DAX erlebte zum Jahresbeginn einen Abverkauf von 40 Prozent, wo auch die Verbindungslinie der letzten Bärenmärkte verletzt wurde und das 38,2-er Retracement der Haussebewegung bei 8.250 letztendlich vorerst Halt bot. Die Stabilisierung oberhalb der 9k auf Monatsschlussbasis ermöglichte den Beginn der scharfen Rally, welche mit +60% in dieser kurzen Zeit einen neuen Börsenrekord aufstellte.

Nach überwinden der 11.6 hellte sich das Bild zur 12.1/12.2 auf. Oberhalb war die Gap-Zone 13.240 aktiv, welche innerhalb meiner Sommerpause abgearbeitet werden konnte. Die letzten beiden Monatskerzen wurden vom Hochstand ordentlich abverkauft und bildeten lange Dochte aus. Hinweise für eine Gipfelbildung? Die letzten Gipfel der letzten fünf Jahre benötigten stets mindestens drei Monate. Passender und interessanter Aspekt hierzu: Der MACD bildete eines seiner seltenen Verkaufssignale mit passendem Muster in den letzten 5 Jahren. Die August-Monatskerze muss nun schwächer ausfallen, wenn dieses Muster weiterhin Bestand haben soll.

Auf Monatssicht stellen die 12.180/.270 erste Unterstützungen dar. Sie bilden eine neutrale Range zur 12.910/13.030. Unterhalb folgen die 12k und das mittlere Bollingerband bei 11.900. Darunter wäre die 11.6 zu nennen, welche bei Bruch die Tür zur 11.3 und nachfolgend zur 10.850 und 10.550 (GD100) öffnet. Oberhalb der 13.030 dürfte über die .240 die .400 angesteuert werden.

Wichtig: Sollte der Markt mit diesem rekordverdächtigen 1. Halbjahr und der heftigen Rezession im Rücken in eine neue Marktphase eingetreten sein, so wäre wahrscheinlich auch sie von hoher Volatilität in beide Richtungen geprägt, welche durchaus 2 Jahre anhalten kann.

Zusammengefasst für das große Bild im Monatschart.

  • Der DAX oberhalb der 12.2 mit einer neutralen Range zur 12.910/13.030.
  • Widerstände: 12.910 > 13.030 > 13.190 > 13.240 > 13.314 > 13.400 > 13.500
  • Unterstützungen: 12.610 > 12.490 > 12.365/.315 > 12.255 > 12.180 > 12.125 > 12.095/.035 > 11.940 > 11.900 > 11.815 > 11.680 > 11.600 > 11.550 > 11.447 > 11.410 > 11.370 > 11.266 > 11.245 > 11.125 > 11.030 > 10.860 > 10.760 > 10.670 > 10.560/.525 > 10.425 > 10.370/.330 > 10.200/.100 > 10.040 > 9.700 > 9.320 > 9.100/8.970 > 8.685 > 8.250/8.130 > 7.985 > 7.600/7.500 > 7.200 > 7k
Xetra-DAX Monatschart
Xetra-DAX Monatschart

Xetra-DAX Wochenchart.
Zoomen wir in den Wochenchart, wo sich der DAX wieder unterhalb vom 2018-er Trend eingefunden hat und eine neutrale Range zu den gleitenden Durchschnitten um 12.1 bildet. Die .610 stellt einen ersten relevanten Support dar.

Oberhalb wäre eine erste Spanne über die .675 zur .800/.810 aktiv. Darüber würde wieder die 12.865/.910 in den Fokus rücken. Bei Bruch die 13.030.

Unterhalb der .610 droht hingegen abermals der Weg über die .535 zur .490. Darunter folgen die .365/.315 und .255. Bei Bruch wäre der sma200 bei 12.125 wieder zu nennen, wo die große übergeordnete Supportzone beginnt. Weitere relevante Unterstützungen wären 12.095, 12.034, 11.940 und 11.757/.680.

Zusammengefasst für das Bild im Wochenchart.

  • Oberhalb der 12.1k bleiben die Bullen stets im Vorteil.
  • Widerstände: 12.675 > 12.760 > 12.800 > 12.910 > 13.030 > 13.240 > 13.314 > 13.400 > 13.500
  • Unterstützungen: 12.635/.610 > 12.535 > 12.490 > 12.365/.315 > 12.255 > 12.180 > 12.125 > 12.095 > 12.034 > 11.940 > 11.815 > 11.757 > 11.680 > 11.600 > 11.540 > 11.447 > 11.390 > 11.290 > 11.125 > 11.075/.030 > 10.985/.925 > 10.860 > 10.760/.740 > 10.670 > 10.525 > 10.465/.425 > 10.370/.330 > 10.250 > 10.160 > 10.135/.100 > 10.045 > 9.840 > 9.700 > 9.627 > 9.520 > 9.320 > 9.200 > 9.100/8.970 > 8.685 > 8.250 > 8.130 > 7.985 > 7.600/7.500 > 7.200 > 7k
Xetra-DAX Wochenchart
Xetra-DAX Wochenchart

Xetra-DAX Tageschart:
Der Blick zum kurzfristigen Chartbild, um die untergeordneten Marken besser zu erkennen.

Kurzum für den Tageschart:

  • Der DAX in der vergangenen Woche innerhalb einer abwartenden Seitwärtsrange. Der Kombisupport aus GD38 und Retracement bei .610 stellt eine erste relevante Marke dar.
  • Oberhalb bleiben die Bullen am Drücker und könnten eine erste Range über die .635/.675 & .690 ausbilden. Darüber wäre im nächsten Schritt die Zone .760/.770 und das mittlere Bollingerband bei .793 zu nennen. Darüber würde sich das Bild weiter aufhellen und die 12.865/.910 würden in den Fokus rücken.
  • Unterhalb der .610 wäre hingegen eine erste Range über die .590 zur .520/.530 und .490 aktiv. Bei Bruch folgt die .400/.375 und nachfolgend die .335/.315. Der sma200 verläuft mittlerweile bei 12.207.

Zusätzlich relevante Marken im Tageschart.

  • Widerstände: 12.675/.690 > 12.760/.770 > 12.800 > 12.865 > 12.910 > 13.030 > 13.240 > 13.314 > 13.400 > 13.500
  • Unterstützungen: 12.635/.610 > 12.535 > 12.490 > 12.400 > 12.365/.315 > 12.255 > 12.180 > 12.125 > 12.095 > 12.034 > 11.940 > 11.815 > 11.757 > 11.680 > 11.600 > 11.550 > 11.460 > 11.430/.390 > 11.245/.230 > 11.195/.185 > 11.125 > 11.075/.030 > 10.985/.950/.925 > 10.860 > 10.760/.740 > 10.670 > 10.525 > 10.465/.425 > 10.390/.330 > 10.260 > 10.165 > 10.135/.100 > 10.045 > 9.985 > 9.840 > 9.700 > 9.627 > 9.460 > 9.320 > 9.050/8.970 > 8.685 > 8.400 > 8.250 > 8.130 > 7.985 > 7.600/7.500 > 7.200 > 7k

Die Analyse im Detail, sowie zusätzliche Informationen, gibt es wie immer im Video am Ende des Beitrags. 

Xetra-DAX Tageschart
Xetra-DAX Tageschart

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Der Marktüberblick im Video:

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