Die Märkte sprechen seit Wochen eine unterschiedliche Sprache. Asien und Europa agieren sehr verhalten und deuten in Richtung Schwäche; die US-Börsen wandern jedoch Stück für Stück nach oben und bilden mittlerweile eine starke Divergenz zu den Erstgenannten aus. Das ist umso interessanter, da die Notenbankpolitik in Asien und Europa mit aller Kraft den Markt mit Liquidität flutet und Yellen in den USA von dieser Politik bereits abgekehrt ist. Auch die Währungen reagieren auf EZB und BoJ gar nicht mehr und entwickeln sich sogar entgegengesetzt. Wie lange können EZB und BoJ diesen Treiben noch zuschauen? Und haben sie überhaupt noch Mittel gegenzusteuern? Yellens Auftritt in der vergangenen Woche ist auch vor diesem Hintergrund umso merkwürdiger, da sich der Dollar bereits vor ihrer verbalen Intervention genau in ihre Wunschvorstellung entwickelt hat, aber trotzdem hat sie sich das Nachtreten in Richtung EZB & BoJ nicht nehmen lassen, obwohl sich deren letzten Maßnahmen bereits vollkommen in die falsche Richtung entwickeln. Beste Freunde ist man anscheinend nicht. 😉 Auch der wirtschaftliche Hintergrund in den USA konnte Yellens Stimmungsumschwung seit Dezember nicht erklären. Ähnlich wie in Europa bleibt der Ausblick unverändert verhalten; nur in Japan trübt sich die Lage scharf ein und die Stimmung der japanischen Industrie fiel auf den schlechtesten Stand seit fast drei Jahren. Entweder weiß Yellen bereits mehr, als uns die Daten aufzeigen wollen, oder ihr Antrieb ist in einem ganz anderen Bereich Zuhause. Durch ihren Stimmungsumschwung hatte sie auch mehrere ihrer FED-Kollegen vor den Kopf gestoßen, die zuvor klare Anzeichen gegeben haben schnellere und größere Zinsschritte zu vollziehen.

Es werfen somit nicht nur die Divergenzen zwischen den Märkten Fragezeichen auf, sondern ebenso die Erklärungen der Notenbanken und hierbei ganz besonders bei der FED.

Das vergangene Quartal konnten die US-Börsen sogar noch knapp im Plus schließen; im Gegensatz zum DAX & Co., wo auch am Quartalsende ein dickes Minus steht. Der Quartalsbeginn mit dem Start in den April verstärkte diese merkwürdige Divergenz nochmals weiter. Interessant ist der Blick in die Saisonalität, wo der April in den Jahren der Präsidentschaftswahlen – verstärkt sogar noch nach der 2. Amtsperiode – den mit Abstand schwächsten Monat im Jahr bildet. Und nicht nur das; das gesamte 2. Quartal verläuft dunkelrot (“Sell in May and go away, but remember to come back in September.”). Gibt es diesmal die große Ausnahme, oder ist die an der Schnurr gezogene Rally nur ein besonders großer Sicherheitsabstand? Vor allem müsste die Rally im US-Markt auch weiter durchgefüttert werden. Der S&P500 hat aktuell einen KGV von 17. Der historische Durchschnitt liegt bei knapp 11.5 und die Unternehmensprognosen wurden zum Q1 abermals nach unten korrigiert. Durch diesen “Trick” hätte man natürlich die Chance positiv zu “überraschen”, aber die Gewinnerwartungen bleiben trotzdem klar rückläufig und der US-Markt alles andere als günstig bewertet. Yellen muss es also weiter richten. Aber reichen da Worte?

Blicken wir zum DAX Monatschart, wo die Monatskerze in der vergangenen Woche fertiggestellt wurde. Das Bild bleibt weiter ohne Kaufsignal und eingetrübt und auch, wenn der Start bisher negativ zu werten ist, so bleibt oberhalb der 9.350 die Chance bestehen eine Gipfelkerze auszubilden. Das m. Bollinger verläuft dafür aktuell bei 10.470 und ein größerer Widerstandsbereich erstreckt sich bis 10.650. Auf der Unterseite droht unter der besagten 9.350 ein deutliche Eintrübung und die direkte Fortsetzung der Abwärtsbewegung.

dax

Im DAX Wochenchart bildete das 38,2-er Retracement weiterhin den Deckel und wandelt sich nach den vielen bullischen Fehlversuchen so langsam zum Betonwiderstand. Der Aufwärtstrend von Februar wurde zum Wochenschluss klar unterschritten, aber weiterer Abgabedruck blieb – vor allem Dank starker US-Börsen – aus und so bleibt das 23,6-er Retracement der nächste Supportbereich. Das mittlere Bollingerband verläuft mittlerweile bei knapp 10.045, der GD100 bei 10.300 und der GD200 bei 9.230. Der DAX zeigt somit bereits in der Mitte des großen Abwärtstrendkanals Schwäche und scheiterte abermals am m. Bollinger. Der RSI dreht langsam an der 50 ab und der MACD bildet seine bärische Divergenz weiter aus. Unglaublich bleibt die Schwäche im Vergleich zum US-Markt, obwohl Draghi extreme Maßnahmen auffährt, steht der DAX noch sehr weit von seinem Allzeithoch um 12.400 entfernt. Ebenso wie im Monatschart zeigt der Wochenchart so gut wie gar keine bullische Stärke auf.

woche

Schauen wir noch zum DAX Tageschart, wo am Freitag nur die US-Börsen schlimmeres verhindern konnten. Trotzdem musste der DAX den Aufwärtstrendkanal/ Bärische Flagge(?) im übergeordneten Abwärtstrendkanal verlassen. Auch das mittlere Bollingerband bei 9.886 konnte auf Wochenschlussbasis nicht verteidigt werden. Im Xetra-DAX bilden Gap-Up und Gap-Down zudem eine Inselumkehr, die den Bruch der Aufwärtsbewegung bestätigen würde. Die starke Divergenz zum US-Markt bleibt eine Unbekannte und Sicherheitsrisiko. Oberhalb des m. Bollingerbandes wäre ein erneuter Lauf in Richtung 10.000 zum Retest der Aufwärtstrendlinie denkbar. Das am Freitag verteidigte 38,2-er Retracement bildet um 9.750 den ersten Support. Weitere Unterstützungen folgen um 9.660 und besonders wichtig knapp oberhalb der 9.350. Mit besonders soliden US-Märkten könnte sich der DAX in eine Seitwärtsbewegung zwischen 50-er und 38,2-er Retracement halten.

dax gap

Anbei noch der 60-Minutenchart, welcher bei knapp 9.840 noch einen Widerstand aufzeigt.

dax

Es folgt der Blick zum Dow Jones (Tages-, Wochen- und Monatschart), wo in der vergangenen Woche dank der zeitlich genau passenden verbalen Intervention von Yellen der Abwärtstrend genommen werden konnte. Vor der Rede von Yellen und auch am Freitag deutete sich 2-mal ein Gipfel an, welcher immer im letzten Moment noch verhindert werden könnte. Im Tageschart bleiben somit bis knapp 18k nur einzelne horizontale Widerstände als Marken relevant. Daher folgt direkt der Blick zum Wochenchart, wo wir den RSI bereits knapp oberhalb der 70 sehen. Deutlich darüber war man zuletzt 2013. Eine erste bärische Divergenz im MACD deutet ein schwächeres Momentum und ggfs bereits den Beginn einer Gipfelbildung an. Der im Zenit der Notenbank-Hausse befindliche Doppelboden könnte den Dow in Richtung 20k treiben. Fundamental ist man jetzt schon teuer bewertet und die Erwartungen weisen keine deutliche Verbesserung auf, aber vielleicht findet ja Yellen wieder Gefallen am QE… 😉 Im großen Monatschart schaut dieser Doppelboden eher wie eine unsichere Seitwärtsbewegung aus. Große Abverkäufe & Folgekerzen wurde auf Monatssicht stets verhindert, aber auch auf der anderen Seite wurden lange bullische Kerze nie aufgegriffen. Folgt das gleiche Spiel nochmal? Dann dürfte der so gefürchtete April eher in einer sehr engen Range verlaufen. RSI und MACD verlaufen ungewöhnlich flach.

dow wochedow

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Handelswoche. Chinas Börse ist morgen geschlossen. Der erste Blick wird zum Nikkei nach Japan gehen. Können die starken US-Börsen stützen, oder wirken die sehr schwachen Wirtschaftsdaten direkt nach?

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